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Wie deuten Dichter und Schriftsteller ihre Aufgabe?

Wie aber sehen jene, die man gemeinhin zur schreibenden Zunft zählt, ihre Aufgabe und die der Literatur?

Christa Wolf meint: "Die Aufgabe der Literatur ist die Erkundung der blinden Flecken der Vergangenheit." Marieluise Kaschnitz wiederum sagte, die Aufgabe des Dichters sei es, "das Erwünschte (zu) verschweigen und das Unerwünschte zu sagen." Sie dichtete:

"Schreibend wollte ich /

Meine Seele retten /

Ich versuchte, Verse zu machen /

Es ging nicht /

Ich versuchte, Geschichten zu erzählen, /

es ging nicht. /

Man kann nicht schreiben /

Um seine Seele zu retten /

Die aufgegebene treibt dahin und singt." /

Erst im Loslassen, erkannte die Dichterin, geschieht die Rettung. Auch der Schweizer Schriftsteller Adolf Muschg sagte einmal, dass das Schreiben sein Leben nicht entlastet habe. Es habe nur den Riss verdeutlicht, der durch seine Geschichte geht.

Der polnische Schriftsteller Andrzej Szczypiorski sah dagegen seine Lebensaufgabe darin, "den Engeln Beine zu machen." Schließlich habe jeder von uns in sich einen eigenen Engel und einen eigenen Teufel. "Nur sind die Engel oft faul und machen oft Urlaub, während die Teufel stets fleißig sind."

Marcel Reich-Ranicki, für den die Literatur vor allem zwei große Themen hat, die Liebe und den Tod, wiederum bekennt frank und frei, dass die Literatur seine Heimat sei und die sei nicht einmal die schlechteste.


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