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Was Literatur nicht kann und was sie vermag

In den sechziger Jahren und noch lange danach glaubte man, dass sich mit Literatur die Gesellschaft verändern ließe. Darin lag eine geradezu maßlose Überschätzung der Literatur. Erwartete man von ihr doch Widerstand gegen die Fiktionen einer "Heilen Welt" und gegen die Neurosen des Kalten Krieges. Dieser Illusion gab man sich bis etwa 1980 hin. Von da ab durfte dann wieder erzählt werden. In mancherlei Hinsicht sind Dichter tatsächlich machtlos. Sie können wohl mit mehr oder weniger mächtigen Worten gegen den Krieg wettern oder ihn befürworten, aber sie können ihn nicht verhindern. Manche unheilvolle Entwicklung hingegen können sie vorwegnehmen, wie es Kafka in seinen Büchern getan hat. Dass Literatur nicht ganz ohne Wirkung ist und auch gefürchtet wird, haben nicht zuletzt die Bücherverbrennungen im Hitler-Regime gezeigt. Wenn Bücher nämlich ganz und gar harmlos wären, brauchte man sie nicht zu fürchten und weder zu verbieten noch gar zu verbrennen.

Die Literatur kann mithin vielerlei. Sie kann aufklären, aber auch schlicht unterhalten und den gestressten Menschen auf andere Gedanken bringen. Zudem gewinnt, wer schreibt oder liest, ein Stück Freiheit, mindestens Bewegungsfreiheit der Fantasie.


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