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Religion in Kants Privatleben

Mochte Kant auch in seiner Philosophie ein ewiges Leben und eine künftige Existenz hochgehalten haben, so sollen ihn in seinem Privatleben solche Ideen kalt gelassen haben. Er soll sich verächtlich über Gebete und andere religiöse Praktiken geäußert haben. In Gebeten sah er einen "abergläubischen Wahn". Die organisierte Religion erfüllte ihn mit Zorn, ähnlich wie Nietzsche. Er hielt es, wie schon angedeutet, für unwürdig, vor Gott auf die Knie zu fallen oder durch Bilder mit ihm in Verbindung treten zu wollen. In diesem Falle verehrt man nicht ein Ideal, sondern ein Idol, was "eigenes Gemächsel" ist.

Im Alter hörte Kant auf, in die Kirche zu gehen. Auch verdross ihn das laute Singen geistlicher Lieder. Vor allem solche, die hauptsächlich pharisäischer Andacht dienten, verursachten ihm großes Missbehagen, "indem sie die Nachbarschaft entweder mitzusingen oder ihr Gedankengeschäft niederzulegen nötigen."

Der Glaube an einen persönlichen Gott war ihm fremd. Gott und Unsterblichkeit hatte er zwar postuliert, glaubte aber selbst an keines von beiden. Seine feste Überzeugung war, dass derartige Glaubensvorstellungen lediglich eine Sache des individuellen Bedürfnisses seien. Er selbst empfand kein derartiges Bedürfnis. Während Kant in Sachen Geschlechterbeziehungen oder Sexualität kein Revolutionär war, war er in Fragen der Religion ein Nonkonformist und dürfte selbst heute noch den ein oder anderen provozieren, anderen vielleicht, die Schwierigkeiten mit einem Glauben an Gott haben, eine Hilfe sein.


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