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Lebenslauf

Geboren wurde Anna Seghers am 19. November 1900 in Mainz unter dem Namen Netty Reiling. Ihr Vater Isidor Reiling war ein vermögender Kunsthändler und Kustos am Mainzer Dom, ihre Mutter Hedwig eine sozial engagierte Frau. Beide Eltern gehörten dem orthodoxen Judentum an. Netty alias Anna Seghers wuchs behütet auf. In ihrer Jugend las sie Kierkegaard, Dostojewski und Martin Buber. Das am meisten abgegriffene Buch ihrer Bibliothek war die Lutherbibel.

In Heidelberg, wo sie mit osteuropäischen Emigranten in Berührung kam, und in Köln studierte sie Kunstgeschichte, Philologie, Sinologie und Geschichte und promovierte 1924 mit einer kunsthistorischen Arbeit über "Jude und Judentum im Werke Rembrandts". Schon hier hat sie sich der "eindruckslosen und verschlossenen Umwelt der Armen und Schwachen" angenommen (Christiane Zehl-Romero). Ihren Geburtsnamen Netty Reiling vertauschte sie, als sie schriftstellerisch zu arbeiten begann, bald gegen ein Pseudonym, das aus ihrer Beschäftigung mit der Kunstgeschichte und dem Maler Hercules Seghers entsprungen sein kann - sie hat es im Dunkeln gelassen.

Ein Jahr später heiratete sie den ungarischen Philosophen und Emigranten Lŕszlo Radvŕnyi und zog mit ihm nach Berlin, wo Radvŕnyi als aktives KPD-Mitglied die Leitung der Marxistischen Arbeiterschule übernahm. 1926 wurde der Sohn Peter geboren, 1928 die Tochter Ruth. 1927 veröffentlichte Nelly Reiling in der Frankfurter Zeitung die Erzählung "Grubetsch" - sie handelt von den Schwierigkeiten kleiner Leute - unter dem Pseudonym Seghers ohne Vornamen. Nicht wenige glaubten, ein Mann habe die Texte geschrieben. Ein kalter, fast mitleidloser Blick prägte diese frühe Prosa.

Ein Jahr später erschien die Erzählung "Aufstand der Fischer von St.Barbara" über die Hungerrevolte einer bretonischen Fischergruppe, deren Aufstand gegen brutale Reeder und Händler scheitert. Die Geschichte schildert auf packende, damals der neuen Sachlichkeit zugerechneten Weise die Konfession der Anna Seghers: den Glauben an den Sinn der Revolte auch dann, wenn sie erst einmal scheitern muss. Die Dichterin erhielt dafür den Kleist-Preis. Hanns Henny Jahn sprach bei der Preisverleihung von der "großen Klarheit und Einfachheit der Satz- und Wortprägung", vom


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