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Beurteilung.

Mit der Lektüre bin ich erst langsam in den doppelten, den biblischen Boden hineingewachsen, d.h.ich habe nicht sofort den Untertext mit gelesen, geschweige denn verstanden.

Das Buch besticht durch seine bilderreiche Sprache, insbesondere wenn Klepper Städte und Landschaften beschreibt, dann werden diese recht anschaulich und plastisch. Geschickt hat der Schriftsteller dabei seine Kenntnisse über geschichtliche Zusammenhänge und Fakten mit eingebaut und einzelne Szenen fantasievoll ausgemalt. Er hat geschichtliche Materialien und Ausschnitte aus historischen Schriften, Zitate aus der Bibel so untergebracht, dass sie "den Atem der dichterischen Sprache nicht stören". (Wer sich in der Bibel gut auskennt, erkennt diese Zitate auf Anhieb.) Klepper benutzt unterschiedliche Genres - meditative Passagen wechseln mit Dialogpartien und berichtenden reportagehaften Stücken. Manche Abschnitte beginnen recht geheimnisvoll und anspielungsreich. Man taucht richtig ein in die Zeit und in die Welt Friedrich Wilhelms I. und ihre Atmosphäre, so dass man nach der Lektüre das Gefühl hat, man habe diesen bemerkenswerten König wirklich kennen gelernt, "ihm ins Herz geblickt", und so klingt die Erinnerung an dieses außergewöhnliche Buch noch lange Zeit nach. Auch stilistisch ist der Roman gelungen, der Ton ist mitunter leicht pathetisch und getragen. Und last but not least: Das Buch hat tatsächlich eindeutige Längen, und man muss schon etwas Liebe zur Geschichte mitbringen, um Klepper in allen Details zu folgen.

Was mich besonders beeindruckt an dem Roman, ist, wie Klepper die biblische Offenbarung in das Leben übersetzt hat und der König (bzw. wie Klepper) den Glauben verstanden, erfahren und gelebt hat, das hat nichts mit billiger erbaulicher Predigtliteratur zu tun, denn der Glaube ist eine schwierige Angelegenheit, keine Glücksgarantie, sagt Klepper. (Im Gegensatz zu allen seichten und flachen Verheißungen von New-Age und anderen Sekten). Gottes Wille ist nicht zu erkennen, sagt der König. (806)

Klepper hat es sich nicht leicht gemacht und war nicht der Meinung, wie es in manchen Predigten heißt, du brauchst nur zu glauben, und alles wird gut oder bei anderen Heils- und Glücksbringern, die die Devise verkünden: Mach nur ein fröhliches Gesicht, denk positiv und alles wird gut. Klepper wusste, weder Leben noch Glauben sind ein Kinderspiel. Mit billigen Ratschlägen kann man ihm seine Schwere nicht nehmen.

- Das Christentum, der Glaube waren Klepper kein sanftes Ruhekissen, im Gegenteil: "Ich kann ganz und gar nicht behaupten, dass mir vom Christentum eine Beruhigung herkäme. Dazu sind seine Widersprüche zu quälend...(An einer Stelle spricht Klepper auch vom "Wahnsinn des Glaubens) Ich weiß nur das eine: dass die Anrede Gottes an den Menschen durch das Wort der Schrift, dass die Spiegelung aller Lebensvorgänge in solcher Anrede der Hauptinhalt meines Lebens ist." (166) Und weil es so ist, haben mir das Buch und Kleppers Selbstverständnis viel Kopfzerbrechen bereitet, und ich bin mit diesem Schriftsteller noch lange nicht fertig.

Was Klepper jedoch am meisten zu der Auseinandersetzung mit dem Leben des Königs trieb, geht aus zwei Briefen klar hervor, die Klepper an die Familie Meschke geschrieben hat:

"Was die Fügungen in Friedrich Wilhelms Leben betrifft, so waren sie ja gerade das, was mich am meisten auf diesen Stoff verwiesen hat"(S.89) und:"Man kann die Worte der Bibel unverändert in diese Königsgeschichte einbauen" (S.42).

Grund für die Wahl des Vater-Stoffes war die Tatsache, dass sich das Walten Gottes am historischen Stoff am besten sichtbar machen lasse."-"Darum kann ich von Friedrich-Wilhelm nicht los, weil jede Situation dieses Lebens auf ein Wort der Bibel bezogen ist."(17.1.36)


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