zurück vor auf Inhaltsverzeichnis


Weimar ab 1775

Mit seiner Übersiedlung nach Weimar hatte Goethes unbeschwerter, von dichterischer Produktion bestimmter Frankfurter Lebensabschnitt geendet. Die in Weimar mit dem Theaterspiel verbundene höfische Welt bedeutete die Abkehr von der religiösen Gefühlswelt seiner Jugend und die Hinwendung zu einem unruhigen Leben gesellschaftlicher Verpflichtungen. In dieser, der mittleren Periode seines Lebens, erreichte Goethe die größte Entfernung von der christliche Religion.

Gleichwohl nahm er das Streben und die Suche nach einer höheren Wahrheit in seinem dichterischen Hauptwerk zwischendurch immer wieder auf und entwickelte aus der einstigen Begegnung mit dem Pietismus zinzendorfscher Prägung, in Verbindung mit christlichen Grundüberzeugungen, weiter seine Weltfrömmigkeit, die er selbst als seine Privatreligion bezeichnet hat.

Trotz seiner amtlichen Pflichten steht er in den ersten Weimarer Jahren noch unter der Erfahrung der befreienden Natur. Allmählich aber findet eine historische Rückbindung durch die Antike statt. Ihre Diesseitigkeit, ihre Einbeziehung des Göttlichen in Natur und Lebenswelt korrespondierte Goethes eigenen Überzeugungen. Antikes begann er nun, sich als zeitlos Vorbildliches anzueignen und von den Griechen zu träumen, als dem Volk, dem eine Vollkommenheit, die wir wünschen und nie erreichen, natürlich war. Die antike Götterwelt wird nun Motiv zahlreicher Gedichte.

Goethes Wendung zur Antike ist persönlicher Ausdruck des welthistorischen Konflikts zwischen dem Polytheismus und dem Monotheismus, zwischen Heidentum und Christentum. In der Antike sah er eine humane und zugleich religiöse Form des Heidentums, zu der er sich selbst mehrfach bekannte, wie etwa in dem Gedicht: "Es fürchte die Götter das Menschengeschlecht.." und in: "Grenzen der Menschheit", entstanden 1781.


zurück vor auf ursula@UrsulaHomann.de Inhaltsverzeichnis