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Nietzsche im Urteil seiner Zeitgenossen

Von seinen Zeitgenossen, auch von Gottfried Keller(1819-1890), wurde Nietzsche recht skeptisch aufgenommen. So schrieb Gottfried Keller an Emil Kuh am 18.11.1873:"Das knäbische Pamphlet des Herrn Nietzsche gegen Strauß habe ich auch zu lesen begonnen, bringe es aber kaum zu Ende wegen des gar zu monotonen Schimpfstils ohne alle positiven Leistungen oder Oasen."

In Fontanes (1819-1898) "Stechlin" bringt ein Rentmeister gelegentlich modische Neuheiten aus Berlin mit, so das Wort von der "Umwertung der Werte". An anderer Stelle plaudert der alte Stechlin darüber, dass man statt des wirklichen Menschen nun den sogenannten "Übermenschen" etabliert habe.

Ähnlich wie bei Nietzsche, nur versteckter noch, zeigte sich schon bei Wilhelm Raabe(1831-1910), beispielhaft für den deutschen Realismus des 19.Jahrhunderts, wie die Überzeugung von einer erkennbaren Weltharmonie mehr und mehr von Zweifeln bedroht wird und die Darstellung eines Zusammenhangs der Dinge nur durch subjektive Setzung gelingt.

Auf die Dichtung der neunziger Jahre wirkt von den Werken Nietzsches fast nur der "Zarathustra", wie etwa auf Hermann Sudermann(1857-1928), Knut Hamsun(1859-1952) und Gerhart Hauptmann(1862-1946).

Arthur Schnitzler(1862-1933) äußert sich in einem Brief an Hugo von Hofmannsthal vom 27.7.1891:"Gelesen wird mancherlei: Burckhardt, Cultur der Renaissance, Goethe, Annalen, Lessings dramatische Entwürfe..besonders Nietzsche - zuletzt hat mich ein Schlußkapitel zu "Jenseits von Gut und Böse" ergriffen." Schnitzler, der Nietzsche durch Georg Brandes kennengelernt hatte, teilte mit Nietzsche die Skepsis und die Verurteilung herkömmlicher Moral. Viele seiner Werke verkörpern den Voluntarismus des Artistentyps.

Nietzsches Wirkung auf Hugo von Hofmannsthal(1874-1929) ist dagegen nur vage auszumachen. Der Dichter der "Elektra" war -so viel ist sicher - von "Der Geburt der Tragödie" beeindruckt und entdeckte mit Nietzsche in der Antike das Vorklassische und Archaische. Gleichwohl hat Hofmannsthal Nietzsche in einem Essay als Vorbild aller geistig Suchenden hingestellt.


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