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Engel im Film und in der Literatur

Seit das Kino erfunden wurde, bevölkern Engel mit unterschiedlichen Eigenschaften die Leinwand. Hier eine kleine Auswahl von Filmen, in denen Engel eine Rolle spielen, freilich nicht immer im christlichen Sinne: "Die Wiederkehr der Engel", "Ein Engel auf Erden", "Auch Engel mögen's heiß", "Der blaue Engel", "Gefallener Engel", "Mörderischer Engel", "Drei Engel für Charlie", "Der Unschuldsengel", "Ein Engel auf Erden", "Der Engel, der seine Harfe versetzte", und nicht zu vergessen die Engel in Wim Wenders' "Der Himmel über Berlin", in Ingmar Bergmanns "Fanny und Alexander" und in Tony Kushners Theaterstück über Aids mit dem Titel "Angels in America". Kümmerliche Engelsurrogate sind dagegen die Monster Alf und E.T.

In der Literatur wimmelt es ebenfalls von Engeln in vielerlei Gestalt und unterschiedlicher Bedeutung. Wir finden sie bei Dante, Milton, Klopstock, Hölderlin, Shakespeare, Baudelaire, Christian Morgenstern, T.S.Eliot, Peter Handke, Nelly Sachs, Franz Kafka, Max Frisch, Else Lasker-Schüler, Marie Luise Kaschnitz, Hans Henny Jahn, Ilse Aichinger, Paul Celan, Hilde Domin und vielen anderen. Jedoch sind Autoren, die in ihren Werken Engel herbeizitieren, nur selten fromm im konventionellen Sinne, im Gegenteil, viele bedienen sich ihrer spielerisch, in ironischer Brechung wie etwa Harry Mulisch in "Das Geschenk des Himmels" und Salman Rushdie in seinen viel gescholtenen "Satanischen Versen". Weniger spielerisch angelegt ist Heinrich Bölls aus dem Nachlass herausgegebener Roman "Der Engel schwieg". Angesichts des Elends in der Nachkriegszeit und der Verlassenheit der Menschen bleibt Bölls Engel stumm. In Friedrich Dürrenmatts "Ein Engel kommt nach Babylon" wiederum geht es recht heiter und spritzig zu. Goethe hat in seinem Faust ebenfalls Engel eingesetzt, die zu guter Letzt dem Teufel Faustens Seele ablisten und sie zur Vollendung in den Himmel tragen. In irdischer Absicht mahnte Lessing seine männlichen Geschlechtsgenossen locker und salopp: "Lieb' ein Mädchen, keinen Engel!". Rainer Maria Rilkes Duineser Elegien enden mit der Feststellung: "Ein jeder Engel ist schrecklich." Hier steht der Engel fraglos für eine höhere, unsichtbare Welt, die sich als Macht bekundet und Erschütterungen hervorruft.

"Komm Engel, treib uns ins Paradies, dort sind wir zwei winzig kleine Blumen", dichtete Rose Ausländer. Sarah Kirsch ruft aus: "Wer wüchse nicht gern mit einem Engel auf". Irmtraud Morgner bringt in "Hexe Amanda" neben Hexen auch Engel mit ins Spiel, wie etwa den Oberengel Zacharias. Franz Fühmann setzt sich in "Der Sturz des Engels" mit seinem Lebenslauf in der sozialistischen Gesellschaft auseinander. Wie für Fühmann waren auch für Arthur Koestler ehemalige Kommunisten gefallene Engel, "die die Taktlosigkeit begehen, zu verraten, dass es in ihrem Himmel nicht ganz so zugeht, wie man es sich vorstellt." Oft lassen die Dichter Engel in Extrem- oder Grenzsituationen auftreten, in denen Menschen elementare Erfahrungen machen wie die der Liebe, des Schmerzes oder des Sterbens. Manchmal müssen Engel freilich sogar für die Prosa von Feministinnen oder für sogenannte "Lesbenprotokolle" herhalten.


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