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Wie gehen Atheisten mit Leid um?

Gott schickt die Leiden als "Zeichen", sagt der Gläubige. Was indessen bleibt dem Atheisten, dem Menschen, der nicht an Gott glaubt? Denn die Frage nach dem Übel, dem Bösen, dem Unrecht in der Welt ist nicht nur eine Frage,die Bibelleser oder Gottesfürchtige bedrängt. Sie treibt selbst Atheisten um. Der eine oder andere befreit sich vielleicht wie der jüdische Philosoph David Baumgardt in der Lust am offenen Aufbegehren, am Sichempören gegen die Last und Unerträglichkeit menschlichen Leidens von niederdrückenden Affekten und erfährt dabei eine wohltuende Entspannung. Erkennt man dann, behauptet Baumgardt, dass Tragik und Lust aktiv erlebt werden können, öffnet sich ein Zugang zu letzten Sinngebungen in unserem Leben. Denn geistige Auseinandersetzungen mit dem Schicksal und Auflehnung gegen das Leiden seien weit glückbringender als erzwungenes, stummes Ertragen. Im Gegensatz zum Tier vermag der Mensch immer wieder, wenn auch oft nur vorübergehend, den Bann zu durchbrechen, in dem ihn sonst sein Schmerz gefangenhält.

Es gibt freilich nicht nur den angefochtenen Glauben, der klagt, und es gibt nicht nur die Haltung, die Baumgardt beschreibt, es gibt auch eine Gottlosigkeit, die gar nicht mehr nach Gott fragt. Für viele ist Gott erschreckend fern. Manche haben ihn gar nicht erst kennengelernt. Man denke an die Erziehung im ehemaligen Ostblock, insbesondere in der ehemaligen DDR. Wie mögen diese Menschen mit den letzten Fragen, den"belästigenden", wie Kant sagt, umgehen? Mit Fragen, die die menschliche Vernunft schwerlich abweisen kann und die sich dennoch dem gedanklichen Zugriff entziehen?

Auf die Frage, warum Gott das Böse in der Welt und im Menschen zulasse, hat allerdings selbst der Gläubige noch keine vernünftige Antwort erhalten, weder Esra beim Streit mit dem Engel, weder Antonius in der Wüste noch Hiob in seinem Protest gegen Gott noch Luther Jahrtausende später, als er ganz direkt zu wissen begehrte:"Warum legt Gott dem Satan nicht einfach das Handwerk?" Ihnen allen wurde mehr oder weniger die Botschaft zuteil, dass der Mensch die Geheimnisse der Schöpfung nicht ergründen könne und sich dennoch in Gott geborgen fühlen dürfe.


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