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Sören Kierkegaard und Umberto Eco über Humor im Christentum

Warum im Christentum eine derartig negative Haltung gegenüber dem Lachen verankert ist, das glaubte Sören Kierkegaard, der dänische Religionsphilosoph, herausgefunden zu haben. Er selbst betrachtete ebenfalls den Glauben und den Humor als zwei sich einander ausschließende, wenngleich benachbarte Existenzsphären. Lachen habe, sagte er, in einer Religion keinen Raum, die das Leiden so sehr betont wie das Christentum. Der religiöse Mensch könne daher nicht komisch werden. Ein richtiger Humor besitze zwar vom Leiden eine Vorstellung, vollziehe jedoch im Gegensatz zum religiösen Menschen eine trügerische Wendung und widerrufe das Leiden in Form des Scherzes. Dennoch (auch Kierkegaard war halt nur ein Mensch in seinem Widerspruch) sah er im Humor die letzte essentielle Stufe vor dem Glauben und schrieb in sein Tagebuch:"Humor ist auch die Freude, welche die Welt überwunden hat."

Die Abneigung der Kirche gegenüber dem Lachen ist auch das Thema in Umberto Ecos Roman "Im Namen der Rose". Hier wird der hochbetagte, gebildete und blinde Mönch Jorge von Burgos zum Mörder, um zu verhindern, dass sich das einzige Exemplar des zweiten Buches der aristotelischen Poetik, das sich ausgerechnet in der von ihm betreuten Klosterbibliothek befindet, allgemein bekannt wird. Fürchtet doch der Mönch, dass dieses Buch, in dem Aristoteles das Lachen lobt und rechtfertigt, das ideologische Angst- und Einschüchterungssystem des mittelalterlichen Christentums zum Einsturz bringen könne. Nur Angst, glaubt er, veranlasse Menschen, ein gottgefälliges Leben zu führen, während das Lachen, so sah es jedenfalls der Mönch, ein Merkmal menschlicher Sündhaftigkeit und Beschränktheit sei und zudem noch den Gläubigen von seiner Furcht vor dem Teufel befreit. Denn durchweg ist der lachende Mensch, das weiss auch Jorge, ein kritischer Mensch, der vor Autoritäten nicht kuscht und unverrückbare Wahrheiten nicht ohne weiteres gelten läßt. Und wie lautet nun Ecos Botschaft in diesem Buch? Die übergroße Liebe zu Wahrheit, Reinheit,Gerechtigkeit, Buße und dem Verlangen, die Welt vom Übel zu säubern, ist, so etwa könnte man sie formulieren, eine unleidliche Leidenschaft, die nicht selten Gewalttaten und Vernichtung heraufbeschwört. Der überzogenen Liebe zum Guten, die kaum Gutes gebiert, setzt Eco mit dem Mönch William die Kunde entgegen: "Der Teufel ist nicht der Fürst der Materie, der Teufel ist die Anmaßung des Geistes, der Glaube ohne ein Lächeln, die Wahrheit, die niemals vom Zweifel erfaßt wird." Fanatismus müsse, so Eco, von der Toleranz besiegt werden. Bei einem Disput William von Baskervilles mit Jorge von Burgos vertrat letzterer die Meinung, nachdem sich William über eine gezeichnete Bibelszene erfreut hatte, die Menschen mit Tierköpfen darstellte, dass Jesus nicht gelacht habe, da jegliches Lachen Teufelswerk sei. Manche sind, wie wir gesehen haben, auch heute noch der Meinung, aber beileibe nicht alle, doch davon später.

Beruht mithin der Mangel an Humor im Christentum auf einem Mangel an Toleranz oder wehrte die Kirche nur deshalb das Lachen ab, weil in ihm häufig Aggressionen und Kritik mitschwingen und sich das Lachen wie jeder Freudenausbruch der Kontrolle entzieht?

In der griechischen Götterwelt war das Lachen dagegen keineswegs verpönt. Im Gegenteil, die griechischen Götter haben oft gelacht. Man denke an das homerische, das unauslöschliche Lachen, das allerdings mit gütigem Lachen oder Lächeln wenig gemein hatte, vielmehr galt es den Großspurigen und Überheblichen. Zeus soll viel gelacht haben über die Streitereien, Liebesaffären, Kämpfe, mit denen sich die Götter die Ewigkeit vertrieben. "Vor Zeus, dem lachenden Zuschauer, spielt das Menschengeschlecht seine ewige Komödie", schreibt Karl Kerenyi. Seiner Meinung nach steht außer Zweifel, dass "die Idee der lachenden Götter mit ernstlich gemeinter Religion für die Griechen vereinbar war."

Doch im Christentum stieß das Lachen im Laufe der Kirchengeschichte bei Theologen immer wieder auf Kritik und Ablehnung, obwohl theologisch gesehen, behauptet Werner Thiede in seinem Büchlein "Das verheißene Lachen", kein Anlass besteht, den Humorbegriff preiszugeben. "Schmunzeln ist auch eine Gnade, von der leider die Theologen nicht schreiben", notierte sich der von den Nazis inhaftierte und später hingerichtete katholische Priester Max Joseph Metzger 1944 im Gefängnis von Brandenburg. Ebenso beklagte der zum Katholizismus konvertierte englische Schriftsteller Gilbert Keith Chesterton, der in seinen Detektivgeschichten mit dem gewitzten Pater Brown viel christlichen Humor bewies,(falls diese Zusammensetzung gestattet ist), den Mangel an Fröhlichkeit im Christentum.

Auch wenn heute, meint der Theologe Karl-Josef Kuschel, kirchliche Autoritäten oft in vielen Fragen nicht den geringsten Spaß verstünden und unter Christen "mehr gezittert und gezetert als gelacht wird", so gehöre das Lachen zum Menschen und damit in die Kirche. Dass Gottesvertreter immer wieder versucht haben, das Lachen zu verteufeln, wundert Kuschel nicht. Kennt doch das Lachen kein Tabu, keine Rücksicht. Keine Macht der Welt kommt gegen das Lachen an.

Schon Jahrhunderte zuvor hatte sich der Philosoph und Humanist Erasmus von Rotterdam(1469-1536) über die reichlich merkwürdigen religiösen Auffassungen von Leuten gewundert, die eher bereit seien, Christus aufs heftigste anzugreifen, als nur den harmlosesten Scherz gegen den Papst oder einen Fürsten zuzulassen, vor allem wenn es um deren Einkünfte oder Amtsgewalt ging.


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