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Wie stand Gertrud Kolmar zu ihrer jüdischen Herkunft?

Während ihre Eltern noch in der ungebrochenen Überzeugung lebten, die deutsch-jüdische Symbiose sei Wirklichkeit, und dabei völlig übersahen, dass die Stellung von Juden in der Gesellschaft des Kaiserreiches keineswegs unumstritten war - in ihrem Haus herrschte eine ausgesprochen deutschfreundliche, kaisertreue Stimmung -, war ihrer ältesten Tochter das aufgeklärte Judentum Berlin nicht Heimat genug war. Vielmehr setzte sie sich vom liberalen Modell der jüdischen Emanzipation ab und suchte als Jüdin woanders nach den Wurzeln ihrer Herkunft, übte sich im heimlichen Aufstand gegen die wilhelminisch orientierte Familie und rebellierte schon in den zwanziger Jahren selbstbewusst in ihrer Dichtung gegen die Verleugnung des jüdischen Erbes im assimilierten Judentum. Um 1930 begann sie dann, sich intensiv mit der Problematik der antisemitischen Hetze und ab 1933 mit der beginnenden Judenverfolgung im Dritten Reich auseinander zu setzen. Ihr Gedicht über das Schicksal der Juden ist eine einzige leidenschaftliche Liebeserklärung an das jüdische Volk. In dem visionären, frei rhythmischen Gedicht "Wir Juden" identifiziert sie sich voll und ganz mit ihrem Volk und legt Zeugnis ab von der Fähigkeit dieses Volkes, in der Gewissheit seiner Erlösung, an der grenzenlosen Verachtung dieser Welt nicht zugrunde zu gehen.

"Wir Juden

Nur Nacht hört zu. Ich liebe dich, ich liebe dich, mein Volk, /

Und will dich ganz mit Armen umschlingen heiß und fest, /

So wie ein Weib den Gatten, der am Pranger steht, am Kolk /

Die Mutter den geschmähten Sohn nicht einsam sinken lässt.

Und wenn ein Knebel dir im Mund den blutenden Schrei verhält, /

Wenn deine zitternden Arme nun /

grausam eingeschnürt, /

So lass mich Ruf, der in den Schacht der Ewigkeiten fällt, /

Die Hand mich sein, die aufgereckt an Gottes hohen Himmel rührt.

Denn der Grieche schlug aus Berggestein seine weißen Götter hervor, /

Und Rom warf über die Erde einen ehernen Schild, /

Mongolische Horden wirbelten aus Asiens Tiefen empor, /

Und die Kaiser in Aachen schauten ein südwärts gaukelndes Bild.

Und Deutschland trägt und Frankreich trägt ein Buch und /

ein blitzendes Schwert, /

Und England wandelt auf Meeresschiffen bläulich silbernen /

Pfad, /

Und Russland ward riesiger Schatten mit der Flamme auf /

seinem Herd. /

Und wir, wir sind geworden durch den Galgen und /

das Rad.

Dies Herzzerspringen, der Todesschweiß, ein tränenloser /

Blick /

Und der ewige Seufzer am Marterpfahl, den heulenden /

Wind verschlang. /

Und die dürre Kralle, die elende Faust, die aus Scheiter- /

haufen und Strick /

Ihre Adern grün wie Vipernbrut dem Würger entgegenrang.

Der greise Bart, in Höllen versengt, von Teufelsgriff zerfetzt, /

Verstümmelt Ohr, zerrissene Brau und dunkelnder Augen /

Fliehn: /

Ihr! Wenn die bittere Stunde reift, so will ich aufstehn hier /

und jetzt, /

So will ich wie ihr Triumphtor sein, durch das die Qualen /

ziehn!

Ich will den Arm nicht küssen, den ein strotzendes Zepter /

schwellt, /

Nicht das erzene Knie, den tönernen Fuß des Abgotts /

harter Zeit; /

O könnt ich wie lodernde Fackel in die finstere Wüste der /

Welt /

Meine Stimme heben: Gerechtigkeit! Gerechtigkeit! /

Gerechtigkeit!

Knöchel. Ihr schleppt doch Ketten, und gefangen klirrt mein /

Gehn. /

Lippen. Ihr seid versiegelt, in glühendes Wachs /

gesperrt. /

Seele. /

In Käfiggittern einer Schwalbe flatterndes Flehn. /

Und ich fühle die Faust, die das weinende Haupt auf den /

Aschenhügeln mir zerrt.

Nur Nacht hört zu. Ich liebe dich, mein Volk im Plunderkleid. /

Wie der heidnischen Erde, Gäas Sohn entkräftet zur Mutter /

glitt, /

So wirf dich zu dem Niederen hin, sei schwach, umarme das /

Leid, /

Bis einst dein müder Wanderschuh auf den Nacken des /

Starken tritt!"

(Das Lyrische Werk S.101)

Beatrice Eichmann-Leutenegger geht im Vorwort zu ihrem Buch über Gertrud Kolmar auf dieses Gedicht näher ein und weist darauf hin, dass Verfolgungen die Dichterin nicht hinnehmen wollte, "sondern 'aufstehen hier und jetzt'. Dreimal ertönt ihr Ruf nach Gerechtigkeit, als ob sie Bruno Bettelheims "Befreiung vom Ghettodenken" vorwegnehmen wollte. In dieser Rebellion wirkt die Stoßkraft der zionistischen Bewegung. Auch wenn sie davon spricht, das Leid zu umarmen, so setzt sie damit noch nicht den Schlusspunkt. Die wahre Revolte vollzieht sich im letzten Vers. Dieser ist von umwälzender Erlösungsbotschaft des Jesaja getragen, seiner Verheißung einer künftigen Herrlichkeit Zions nach aller Qual. Da verkehrt sich alles. "Aus dem Kleinsten wird ein Stamm und aus dem Geringsten ein starkes Volk.."(Jes. 60,22). In Gertrud Kolmars Schau tritt daher der Wanderschuh des Schwachen auf den Nacken der Starken, der Unterlegene wird zum Sieger. Zäh muss in der Dichterin diese Hoffnung gelebt haben. Für den Zionismus soll Gertrud Kolmar, nach Aussage ihrer Schwester Hilde Wenzel, eine starke Sympathie, insbesondere nach Hitlers Machtantritt empfunden haben. Johanna Woltmann, eine gute Kolmar-Kennerin, meint dagegen, dass Gertrud Kolmar in ihrer demütigen Akzeptanz eines auferlegten Schicksals keine Nähe zum Zionismus erkennen lasse. Sie scheine zwar schon in früheren Jahren "eine tiefe Religiosität empfunden, nicht aber eine Hinwendung zum Zionismus als religiöser und politischer Richtung praktiziert zu haben. Zudem fühlte sie sich vom märchenhaften Orient angezogen. Ihre Sehnsucht galt nicht Amerika. "Nach Osten send ich mein Gesicht" und: "Ich bin wohl auch eine Art "verhinderter Asiatin". Sie erlernte sogar die hebräische Sprache. Später schrieb sie einige Gedichte in hebräisch. Einem zwischen 1939 und 1940 entstandenen Lebenslauf für eine Bewerbung ins Ausland, vermutlich nach Palästina, fügte sie zum Beweis ihrer Hebräischkenntnisse eine Übersetzung des Gedichts "Herbstnacht" von Chaim Nachman Bialek bei.

Am 15.Mai 1940 ließ Gertrud Kolmar ihre Schwester Hilde wissen, "dass ich seit April hebräische Konversation treibe..., der Erfolg ist der, dass ich gestern am 14.Mai nach Schluss der 5.Stunde mein erstes hebräisches Gedicht 'verbrochen' habe." Sie wäre wohl gerne nach Palästina ausgewandert. Da sie aber ihren alternden Vater, der die deutsche Heimat nicht aufgeben wollte, nach dem frühen Tod der Mutter im nationalsozialistischen Terrorstaat nicht allein lassen wollte, schlug sie alle Emigrationsvorschläge aus und blieb als einzige der vier Geschwister 1933 in Deutschland. Offensichtlich war in ihr ein Grundmuster jüdischer Erziehung tief eingeprägt: die Anhänglichkeit an die Eltern.

Einige ihrer Gedichte vor allem jene äußerst zeitkritischen aus der 1933 entstandenen Sammlung "Wort der Stummen", spielen auf die Situation und die Leidensgeschichte der Juden an, die seit altersher dauert und nun grausam aktualisiert wird "im dritten, christlich deutschen Reich. "Ewiger Jude" heißt eines dieser Gedichte, in dem der ewige Jude zum gehetzten alten Mann geworden ist. "Ach, das Zeichen, gelbes Zeichen/Das ihr Blick auf meine Lumpen näht."

(Das Lyrische Werk S.99)

Auch andere Gedichte bezeugen ihre Bindung an das Judentum oder äußern Protest gegen die antijüdische Hetze, neben ihrem Roman "Die jüdische Mutter" auch die zwischen 1927 und 1932 entstandenen Gedichten "Maurische Legende", "Die Jüdin" sowie die Dichtung:

"Der Misshandelte

In meiner Zelle brennt die ganze Nacht das Licht. /

Ich stehe an der Wand und schlafen darf ich nicht;

Denn alle zehn Minuten kommt ein Wärter, mich zu schaun. /

Ich wache an der Wand. Sein Hemd ist braun.

Die andern kehren wieder, unterhalten sich /

Mit meinem Schrein und Stöhnen, lachen über mich,

Sie recken mir die Arme gewaltsam, nennen's Sport. /

Ich breche in die Knie..und endlich gehn sie fort.

Ich seh nicht Bäume, Sonne - ob es die wirklich gibt? /

Ob wo ein armes Kind noch seinen Vater liebt?

Kein Zeichen mehr, kein Brief- und ich habe doch eine Frau!- /

Sie sagten:"Du bist rot; wir schlagen dich braun und blau."

Sie peitschten mit stählernen Ruten und mein Rumpf war bloß.. /

O Gott! O Gott! Nein, nein. Ich bin ja glaubenslos,

Ich habe nicht gebetet im Felde, im Lazarett, /

Nur abends als ein kleiner Junge, und die Mutter saß am Bett.

Die Erde ist Kerkergruft, der Himmel ein blaues Loch. /

Hörst du, ich leugne dich! Mein Gott . .ach, hilf mir doch!

Du bist nicht: wenn du wärst, erbarmtest du dich mein. /

Jesus litt für uns alle; ich leide für mich allein.

Ich steh und sinke ein bei Wasser und wenig Brot /

Stunden und aber Stunden. Wie gut, wie gut ist der Tod!

Hingelegt..und verschlossen in tiefem, dunklem Schacht. /

Keine grelle Lampe. Nur Schlaf. Nur Stille, Nacht..."

(Aus dem Zyklus:"Das Wort der Stummen")

"Die Jüdin

Ich bin fremd.

Weil sich die Menschen nicht zu mir wagen, /

Will ich mit Türmen gegürtet sein, /

Die steile, steingraue Mützen tragen /

In Wolken hinein.

Ihr findet den erzenen Schlüssel nicht, /

Der dumpfen Treppe. Sie rollt sich nach oben, /

Wie platten, schuppigen Kopf erhoben /

Eine Otter ins Licht.

Ach, diese Mauer morscht schon wie Felsen, /

Den tausendjähriger Strom bespült; /

Die Vögel mit rohen, faltigen Hälsen /

Hocken, in Höhlen verwühlt. /

In den Gewölben rieselnder Sand, /

Kauernde Echsen mit sprenkligen Brüsten- /

Ich möcht' eine Forscherreise rüsten /

In mein eigenes uraltes Land.

Ich kann das begrabene Ur der Chaldäer /

Vielleicht entdecken noch irgendwo, /

Den Götzen Dagon, das Zelt der Hebräer, /

Die Posaune von Jericho.

Die jene höhnischen Wände zerblies, /

Schwärzt sich in Tiefen, verwüstet, verbogen; /

Einst hab ich dennoch den Atem gesogen, /

Der ihre Töne stieß.

Und in Truhen, verschüttet vom Staube, /

Liegen die edlen Gewänder tot, /

Sterbender Glanz aus dem Flügel der Taube /

Und das Stumpfe des Behemoth.

Ich kleide mich staunend. Wohl bin ich klein, /

Fern ihren prunkvoll mächtigen Zeiten, /

Doch um mich starren die schimmernden Breiten /

Wie Schutz, und ich wachse ein.

Nun seh ich mich seltsam und kann mich nicht kennen, /

Da ich vor Rom, vor Karthago schon war , /

Da jäh in mir die Altäre entbrennen /

Der Richterin und ihrer Schar. /

Von dem verborgenen Goldgefäß /

Läuft durch mein Blut ein schmerzliches Gleißen, /

Und ein Lied will mit Namen mich heißen, /

Die mir wieder gemäß.

Himmel rufen aus farbigen Zeichen. /

Zugeschlossen ist euer Gesicht: /

Die mit dem Wüstenfuchs scheu mich umstreichen, /

Schauen es nicht.

Riesig zerstürzende Windsäulen wehn, /

Grün wie Nephrit, rot wie Korallen, /

Über die Türme. Gott lässt sie verfallen /

Und noch Jahrtausende stehn."

(Das Lyrische Werk S.36/37)

Auf das berühmte Gedicht "Die Jüdin" aus dem Zyklus "Weibliches Bildnis" von 1938 gibt Johannes Bobrowskis "Gertrud Kolmar "überschriebenes Gedicht ein direktes Echo:

"Buche, blutig im Laub, /

in rauchender Tiefe, bitter /

die Schatten, droben das Tor /

aus Elstergeschrei.

Dort ist eine gegangen, /

Mädchen mit glattem Haar, /

die Ebene unter den Lidern /

lugte herauf, in den Mooren /

vertropfte der Schritt.

Ungestorben aber /

die finstere Zeit, umhergeht meine Sprache und ist /

rostig von Blut.

Wenn ich deiner gedächte: /

Vor die Buche trat ich. /

ich hab befohlen der Elster: /

Schweig, es kommen, die hier /

waren - wenn ich gedächte: /

Wir werden nicht sterben, wie werden /

mit Türmen gegürtet sein?"

Nelly Sachs widmete ihr ebenfalls ein Gedicht. Es trägt den Titel "Die Hellsichtige".

"G.C.

Du sahst die Gedanken kreisend gehen /

Wie Bilder um ein Haupt. /

Der Luft hast du geglaubt /

Darin die Sterne auferstehn.

Und hattest nicht den Blindenstar /

Der altgewordenen Zeit. /

Wo für uns noch der Abend war, /

Sahst Du schon Ewigkeit."

In einigen Gedichten nimmt die Dichterin die teuflische Bedrängnis vorweg, die über das jüdische Volk und über sie selbst kommen sollte.

"Und Drohung ist über mir. /

Die Drohung wird über Israel lagern /

Gleich Flügeln von Raben, krächzenden, magern, /

Und plump vor ihm stehen als horniger Stier."

In dem Gedicht "Das Opfer" ahnt sie ihr eigenes Schicksal voraus. Es endet mit den Sätzen:

"Doch in ihrem Herzen ist Gott, /

Auf ihrem ernsten und schönen Antlitz haftet sein Siegel, /

Das aber weiß sie nicht."

(Das Lyrische Werk S.582)

Ein weiteres Gedicht von Gertrud Kolmar:

"Maurische Legende

Fahrt auf, ihr Toten, fahret auf und zeugt! /

Hier ist der Wein, wir wollen ihn um euch verschütten, /

Und sind die braunen Brote unsrer Hütten. /

Und sind die Judenfraun - und keine, die ein Kind mehr säugt.

Wir weinen ..Dennoch bringen wir gemaltes Angesicht, /

Und dennoch schließen wir den Arm in schweres Goldgespänge /

Und leuchten mit des Halses blitzendem Gehänge, /

Und unsre Herzen kennen unsre Leiber nicht.

Die Herzen: dieses weiße Herz der Braut, /

Die unvollbracht verfällt in ihrer Schöne, /

Das rote Herz der Witwe ohne Söhne; /

Sie ist wie Stein, dem Götzentempel eingebaut.

So haben wir gekauert, so zu Gott geschrien: /

In Öden rings, in wüsten Gärten liegt der Mann erschlagen. /

Die Feinde höhnen, weil wir niemals Frucht mehr tragen, /

Kein süßer Weinberg aufsteigt mehr an unsern Knien.

Wir sind das brache Feld.. Der Herr hat sich erbarmt. /

Der Herr hat eine späte Saat uns zugesprochen. /

Ihr Schweigenden, die Maurenwut durchstochen, /

Er will, dass ihr uns einmal noch umarmt.

Kommt, Bräute, zieht das bärtige geliebte Haupt vom Sand /

An eure Brüste..Weiber gleitet nieder /

Und presst euch warm an blutbespülte Glieder, /

Und gib du Mädchen, still dich der bestaubten Hand.

Dies ist nicht Frevel: Dass ihr mit dem Tode ruht. /

Dies nicht ..Wie möchte Gott sein Volk ersticken? /

Kehrt heim im Morgen, ohne umzublicken. /

Und seid der Krug, die Scholle diesem letzten Blut,

Und lasst es keimen not- und freudevoll /

Und seine Ähren reifen über alle Erde, /

Dass ihm ein Sichelblatt geschmiedet werde /

Und eine Pflugschar, die ihm Furchen reißen soll."

(Das Lyrische Werk S.229)

Die Gedichte, in denen Gertrud Kolmar 1933 auf die nationalsozialistische Machtergreifung mit Gedichten reagierte, zeigen deutlich, dass sie über das, was Juden zu erwarten haben, keinen Augenblick im Zweifel war.

Im Jahr 1933 entstand dieses Gedicht:

"Er hielt an einer Straßenecke. /

Bald wuchs um ihn die Menschenhecke.

Sein Bart war schwarz, sein Haar war schlicht /

Ein großes östliches Gesicht, /

doch schwer und wie erschöpft von Leid /

Ein härenes verschollenes Kleid.

Er sprach und rührte mit der Hand /

sein Kind, das arm und frostig stand:

'Ihr macht es krank, ihr schafft es blass; /

wie Aussatz schmückt es euer Hass,

ihr lehrt es stammeln euern Fluch, /

ihr schnürt sein Haupt ins Fahnentuch,

zerfresst sein Herz mit euerer Pest, /

dass es den kleinen Himmel lässt -'

Da griff ins Wort die nackte Faust: /

'Schluck selbst den Unflat, den du braust!

Du putzt dich auf wie Jesus Christ /

und bist ein Jud und Kommunist.

Du krumme Nase, Levi, Saul /

hier, nimm den Blutzins und halt's Maul!'

Ihn warf der Stoß, ihn brach der Hieb. /

Die Leute zogen mit. Er blieb.

Gen Abend trat im Krankenhaus /

der Arzt ans Bett. Es war schon aus -

Ein Galgenkreuz, ein Dornenkranz /

im fernen Staub des Morgenlands.

Ein Stiefeltritt, ein Knüppelstreich /

im dritten, christlich-deutschen Reich."

Ihrer Schwester Hilde gestand sie in der Nazizeit, dass sie viel gelernt habe, "..vor allem dies Eine: Amor fati, Liebe zum Schicksal." Sie wächst an ihrer Bindung zum Judentum und bekennt: "Creo ergo sum" ich schaffe, also bin ich,

Auch in dem zwischen 1939 und 1940 entstandenen Gedicht "Nachruf" ahnt sie ihre Schicksal voraus.

"Ich werde sterben, wie die Vielen sterben, /

Durch dieses Leben wird die Harke gehen /

Und meinen Namen in die Scholle kerben. /

Ich werde leicht und still und ohne Erben /

Mit müden Augen kahle Wolken sehn."

(Das Lyrische Werk S.456)


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