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Wer war...

Gertrud Kolmar?

Einleitung

Im Frühjahr 1943 starb Gertrud Kolmar in den Gaskammern von Auschwitz. Viele Zeitgenossen kennen mittlerweile ihren Namen, aber kaum ihre Dichtung und wissen oft nicht, dass diese bedeutende Lyrikerin von Literaturwissenschaftlern mit Annette von Droste-Hülshoff, Charles Baudelaire und Else Lasker-Schüler auf eine Stufe gestellt wird. Ihre Weggefährtin Nelly Sachs nannte sie "eine der größten Lyrikerinnen". Auch Walter Benjamin, ihr fast gleichaltriger Vetter, schätzte ihre Dichtung über alle Maßen. Peter Hamm wiederum sieht in ihr "eine geistige Schwester Kafkas" und fühlt sich, wie auch andere aus der jüngeren, nach dem Krieg geborenen Schriftstellergeneration, von ihrer Natur- und Liebeslyrik angesprochen. Um so verwunderlicher ist, dass Gertrud Kolmars Gedichte bisher nie jene Aufmerksamkeit gefunden haben wie die Lyrik anderer deutsch-jüdischer Autorinnen, zum Beispiel die Verse von Rose Ausländer oder die Werke von Hilde Domin.

Nur wenige Bilder sind von Gertrud Kolmar erhalten. Auf Kinderbildnissen wirkt sie ernst und verschlossen. Man sieht sie nie lächeln. Sie sei "ein einsames, ein verlorenes Kind" gewesen, soll sie einmal gesagt haben. Fotos aus ihrer Schaffenszeit zeigen eine eher unauffällige Frau, die auf modische Frisuren und Garderoben offensichtlich nicht allzu viel Wert legte, aber sie habe, meint Wolfdietrich Schnurre, "das Gesicht eines alttestamentarischen Engels" gehabt, "Augen voller Glut", als ob sie eine Vision ergründete.

Sie sei eine rebellische Melancholikerin gewesen, behaupten Kenner ihres Werkes, eine Dichterin naturergebener Leidenschaften, eine Frau zwischen bürgerlichen Fesseln und entfesselter Hingabe, in der sie sich in ihrem ganzen Reichtum erlebt habe.


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