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Der Standpunkt von Günter Kunert

Günter Kunert, der als Schriftsteller zunächst in der DDR Karriere gemacht hat, ist in einem, wie er selbst bekennt, "völlig religions- und glaubensleeren Raum aufgewachsen". Für ihn hatte weder das Christentum noch das Judentum jemals eine Bedeutung gehabt.

In seinem Gedicht:"Götterdämmerung" heißt die letzte Strophe:

"Erkenntnis die: Wir können uns nicht fassen. /

Und finden keinen, der uns Göttern gleicht. /

Und keinen, der uns Hilfe reicht. /

Wir sind uns ohne Gnade überlassen."

Es gibt für Kunert keine Hilfe transzendenten Ursprungs, die letzte Bestimmung des Menschen ist offen.

Im Gespräch mit Kuschel gibt Kunert jedoch zu, dass das Christentum durchaus auch "einen positiven Einfluss in der Geschichte" gehabt habe und dass es auch heute noch ein metaphysisches Bedürfnis gäbe, das unerfüllt sei. Geschichte ist für ihn nicht Heilsgeschichte, sondern Verfallsgeschichte. Sinn könne man nur in sich selbst, in seinem Tun finden. "Für mich", so Kunert, "ist der Sinn meines Daseins der, dass ich schreibe. Einen übergreifenden Sinn gibt es nicht mehr, hat es nie gegeben - aber jetzt wissen wir wenigstens, dass es keinen gibt." Allerdings seien heute viele Christen aufgeschlossener als die meisten Marxisten, die immer noch an die Funktionalität glaubten.


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