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Bekenntnis zum Judentum

Mit dem Satz:"Mein aus der Verzweiflung geborenes Wort", gibt sie ihren Motivationshintergrund wieder. Sie ist voll Vertrauen in die Assoziationskraft des Wortes, in das Vermögen des Gedichts, Welt auszusprechen und sichtbar zu machen.

Aber auch alttestamentarische Themen, babylonisches Legendengut, Fragen der jüdischen Mystik färben die Lyrik von Rose Ausländer.

Das Judentum spielt ebenfalls eine gravierende Rolle: "Ich bin 5000 Jahre jung" ist eine gern und oft zitierte Sentenz aus ihrem Gedicht "Jerusalem", in dem sie ein Bekenntnis zum Judentum abgelegt. Sie hat sich zwar früh von der jüdischen Religion gelöst, doch hat sie sich immer zugehörig gesehen zum Volk und zur

Schicksalsgemeinschaft der Juden. Das bringt sie hier zum Ausdruck, indem sie in diesem Gedicht ihr Alter gleichsetzt mit dem Alter der Stadt Jerusalem. Das 5000jährige Jerusalem und sie sind "Altersgenossen. Wir haben ein Spiel in der Luft."

"Wenn ich den blauweißen Schal /
nach Osten hänge /
schwingt Jerusalem herüber zu mir /
mit Tempel und Hohelied /
Ich bin fünftausend Jahre jung /
Mein Schal /
ist eine Schaukel /
Wenn ich die Augen nach Osten /
schließe /
schwingt Jerusalem auf dem Hügel /
fünftausend Jahre jung /
herüber zu mir /
im Orangenaroma /
Altersgenossen /
wir haben ein Spiel /
in der Luft."

Die schon erwähnten Gedichte "Israel" und "Im Chagall-Dorf sind ebenfalls Zeugnisse für Schrecken und Schönheit jüdischen Lebens. Auch im zunehmend abstrakt werdenden Spätwerk bezieht sie sich häufig auf die jüdische Herkunft, wobei der Glaube an das poetische Wort fast messianischen Charakter annahm("ohne visum").

Ihre starke Bindung an die Mutter bezeugt das Gedicht:

"Mein Stern hängt /
an ihrer Nabelschnur /
Ich trinke ihre Milch /
Bald /
werde ich geboren /
hinter meinem Tod /
wächst sie mir zu."


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