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Viele in der Kirchen müssen noch selbstkritischer werden

So viel Fortune hatten die Juden freilich unter Hitler nicht. Heute muss daher nach den furchtbaren Judenverfolgungen des 20.Jahrhunderts auch in den christlichen Kirchen, noch viel selbstkritischer als bisher, nach den Ursachen und den geistigen Wegbereitern der furchtbaren Judenfeindschaft gefragt werden sowie nach dem Grund der anfänglichen Verdrängung des Holocaust in der lutherischen Nachkriegstheologie.

Selbst fünfzig Jahre nach Auschwitz fehlen, von Ausnahmen abgesehen, immer noch angemessene positive Darstellungen des Judentums. Von der Gottes- und Nächstenliebe als Zentrum jüdischer Existenz oder von der Wertschätzung der Thora ist, außerhalb der evangelischen und katholischen Akademien, bei Christen selten die Rede. Wenn auf das Jüdische im Christentum hingewiesen wird, geschieht das oft so, dass das Jüdische seinen Eigenwert verliert oder zur Vorstufe des Christentums

degradiert wird. Selbst die Judenmission feiert an manchen Orten noch fröhliche Urständ. Obwohl mehrere Kirchenleitungen Ende 1995 erklärten, dass es aus "theologischen, historischen und praktischen Gründen keine christliche Mission unter Juden" geben könne, wird diese Auffassung noch längst nicht von allen geteilt, weder von Göttinger Theologieprofessoren noch vom Altpietistischen Gemeinschaftsverband der württembergischen Landeskirche. Denn beide meinten noch vor wenigen Jahren, dass der Missionsbefehl gegenüber allen Nichtchristen weiterhin zu gelten habe.

Noch auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag in Stuttgart 1999 sorgte die Debatte um ein "Nein zur Judenmission" für Spannungen. Und wie denken Juden über über christliche Judenmissionierungen? Hierzu eine Aussage von Rabbiner Dr.Alexander Karlebach aus Jerusalem: "Es ist für uns Juden eine unerhörte Beleidigung und Herausforderung, dass Christen aus so genannten christlichen Ländern, die 2000 Jahre für das jüdische Leiden, besonders auch für die Ermordung von sechs Millionen Juden in Europa verantwortlich sind, sozusagen mit blutigen Händen zu uns kommen und uns ihren Glauben anbieten."


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