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Der Nazi-Terror

Als die Nazis ihre unheilvolle Herrschaft antraten, lebten ungefähr 1.003 Juden in Mecklenburg, verteilt auf 47 israelische Gemeinden. Das waren gerade 0,13 Prozent der in Deutschland ansässigen Juden. In ganz Pommern waren im Jahre 1925 7761 jüdische Einwohner gezählt worden, wie viele von ihnen zu jener Zeit im heutigen Vorpommern lebten, steht nicht genau fest. Nur so viel ist sicher, dass 1933 in Stralsund etwa 160 jüdische Bürger ansässig waren.

Gleich 1933 begann im heutigen Mecklenburg-Vorpommern wie überall in Deutschland die Judenverfolgung. Einige Beispiele mögen die wachsende Eskalation verdeutlichen. 1933 wurde an der Universität Greifswald ein Zweig des Amtes für Rassenhygiene" gegründet, wo exponierte Rassenfanatiker, unter ihnen Theodor Oberländer, ihren dubiosen Forschungen nachgingen. Am 10.5.1933 fand in Greifswald wie in vielen anderen Universitätsstädten eine Bücherverbrennung statt, während jüdische Gelehrte und andere Juden geächtet und verfolgt wurden.

Der international angesehene Stomatologe Hans Moral (1855-1933), der zwei Jahrzehnte lang die Rostocker Universitätsklinik für Mund- und Zahnkrankheiten geleitet hatte, war schon vor 1933 Ziel antisemitischer Anfeindungen. Nach dem Verlust seiner Arbeit nahm er sich am 6.August 1933 das Leben. Der 1919 nach Rostock berufene Professor David Katz(1884-1953), der das Psychologische Institut an der Universität Rostock gegründet und die Psychologie zum anerkannten Fach entwickelt hatte, wurde 1933 von den Nazis zur Emigration gezwungen. Die Stadtverwaltung von Putbus gab im Herbst 1935 kund, "keine Juden mehr bedienen" zu wollen. Im selben Jahr wurde Pastor Köhler aus Zernin verhaftet, weil er Geld für Juden gesammelt hatte. Aber seine Haltung war fragwürdig. Hatte er doch in einer Predigt selbstgerecht getönt: "Die Juden sind wohl unsere Feinde, aber wir müssen ihnen vergeben." 1938 machte der Landrat von Wollin den Vorschlag, die pommerschen Juden auf der Insel Rügen zu konzentrieren oder Heringsdorf als "Judendorf" einzurichten. Während der Pogromnacht im November 1938 brannten in vielen Städten die Synagogen: in Alt-Strelitz, Güstrow, Neubrandenburg, Rostock und Schwerin. Jüdische Friedhöfe wurden geschändet, Geschäfte jüdischer Bürger beschädigt und geplündert, während die Juden selbst einer entwürdigenden und unmenschlichen Hetze ausgesetzt waren. Auch von den Mecklenburger Juden wurden viele in Auschwitz, Majdanek und Theresienstadt ermordet. Manche wählten den Freitod wie der Mathematiker Felix Hausdorff (1868-1942), der an der Universität Greifswald die Grundlage für Mengenlehre und Topologie geschaffen hatte. In jedem Ort spielten sich Tragödien ab, still und fast anonym. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, verhielt sich die Bevölkerung während der Nazizeit gleichgültig oder unterstützte die Diskriminierung jüdischer Menschen. Nur wenige Nichtjuden standen bedrohten Juden bei, wie etwa in Warin, wo sich der pensionierte preußische Kammergerichtsrat Ernst Wolff aus Köslin von 1943 an bei Freunden verstecken konnte und so die Shoah überlebte.

Außerdem wurden in Mecklenburg mehrere Konzentrationslager eingerichtet:in Reiherhorst bei Wöbbelin, das berüchtigte Lager Ravensbrück bei Fürstenberg und in Neubrandenburg.


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