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Frage der Identität

Die Frage, die Goethe gegenüber allem Religiösen bewegt, ist das Problem, ob der Mensch in seiner Identität durch religiöse Ansprüche vergewaltigt werde oder ob er dabei "er selbst" bleiben dürfe. Gerade im Hinblick auf sein Ringen mit dem Christentum kreiste sein Denken immer wieder um die Frage, ob und inwieweit das Christentum der Tradition vom einzelnen Menschen angeeignet werden könne, ohne die eigene Natur zu bedrohen.

Obwohl das Christentum für Goethe eine in der Regel mit Respekt registrierte Religion ist und die Luther-Bibel sein Denken, seine Bilder- und Gleichniswelt, ja sogar seine Sprache zeitlebens tiefer geprägt und ihn mehr gebildet hat als irgendein anderes Werk, so war das Christentum für ihn später doch nur eine von mehreren Möglichkeiten, der eigenen Existenz ein Fundament zu geben.


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