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Journalistische Laufbahn

Doch gehen wir zuerst noch kurz auf Jochen Kleppers Kindheit und Jugend ein. Kleppers Motto schon als Zwölfjähriger lautete: "Bevor du Wissenschaft lernst, lerne dich selbst kennen". Nach dem Abitur studierte er zunächst Theologie, um in die Fußstapfen seines Vater zu treten und Theologe zu werden; dann jedoch entdeckte er sein schriftstellerisches Talent und verlegte sich aufs Schreiben. Er verfasste Kurzgeschichten, Gedichte und Kritiken. Schon in den Jahren zuvor hatte er seine Erstlingsgedichte an etwa sechzig Zeitungen geschickt, in denen mitunter auch eines veröffentlicht wurde. Eins seiner ersten Gedichte schrieb er zum Tode Rainer Maria Rilkes im Jahr 1926.

Es war wohl eher Zufall, dass Jochen Kleppers literarisches Debüt im Jahre 1927 in der Würdigung einer Reihe von "Dichtern und Denkern" bestand. Als angehender Journalist, der zur Geltung kommen wollte, musste er die von den Redakteuren gewünschten und von der Aktualität gebotenen Themen aufgreifen. Dazu gehörten derzeit der zehnte Todestag des im Ersten Weltkrieg gefallenen Schriftstellers Walter Flex wie die Todestage von Baruch Spinoza, Angelus Silesius, August Hermann Francke und Rainer Maria Rilke.

Um Geld zu verdienen, arbeitete Klepper seit April 1927 im 1914 in Schlesien gegründeten Evangelischen Preßverband, dem späteren Presseverband, und wurde Presseredakteur. Schon die Begegnung mit dem jüdischen Kunsthistoriker Franz Landsberger hatte Klepper nach seiner Studienzeit zur Mitarbeit an dessen Zeitschrift "Schlesische Monatshefte" verholfen. In den Jahren 1927 bis 1932 schrieb er für "Unsere Kirche", hg.vom Ev.Preßverband für Schlesien, für die "Breslauer Zeitung", für das"Deutsche Pfarrerblatt", die "Niederschlesische Zeitung", "Leipziger Volkszeitung" , für die Zeitschrift "Eckart", die 1924 neu gegründet worden war, (diese Literaturzeitschrift wagte es, gegen den Stachel zu löcken, gegen kirchliche Konventionen wie auf katholischer Seite "Hochland") und gelegentlich auch für die SPD-Zeitung "Vorwärts" Aufsätze, in denen Klepper vor allem menschliche, künstlerische und landschaftliche Fragen behandelte.

Klepper erhielt ferner journalistische Aufträge, die ihn mit bedeutenden Persönlichkeiten zusammenbrachten, zum Beispiel mit Asta Nielsen, Jürgen Fehling, Fritzi Massary, mit Renée Sintenis und Arnold Zweig. Er schloss sich dem von Kurt Ihlenfeld geleiteten Eckart-Kreis an, dem u.a.Josef Wittig und Agnes Miegel angehörten und dem Eugen Rosenstock-Huessy nahe stand. Im "Eckart" hatte bis zu seinem Tod auch Walter Flex publiziert, dem Klepper in jungen Jahren ebenso zugetan war wie dem Schriftsteller Hans Grimm, der als Autor des Romans "Volk ohne Raum" bekannt geworden ist.

Stolz schrieb er am 24.April 1928 an seinen Mentor, den Theologieprofessor Rudolf Hermann, dass er "schon über hundert Manuskripte veröffentlicht" habe. Außer Zeitschriften habe er als ständiges Absatzgebiet Zeitungen in Berlin, Essen, Nürnberg, Hamburg und in Breslau. Es gelang Klepper in der Tat, in allen großen Zeitungen anzukommen und viele namhafte Zeitschriften als feste Abnehmer zu gewinnen. Wenig bekannt ist dagegen Kleppers Tätigkeit am Rundfunk, zuerst am Breslauer, später am Berliner Rundfunk, an den ihn Harald Braun als sein Assistent geholt hat. (Braun ist der Regisseur der bekannten Filme: Träumerei, Nachtwache, Königliche Hoheit). Kleppers Funkdebüt am 12.6.1927 ging mit einem Beitrag über August Hermann Francke über die Bühne. Klepper stellte wohl als erster evangelische Morgenandachten für den Rundfunk zusammen und entwickelte sich zu einem Pionier anspruchsvoller Hörprogramme. Er gestaltete "Bücherstunden" und bereitete u.a. eine große Volkstrauersendung vor. Für den Karfreitag 1933 konzipierte er beispielsweise die Hörfolge "Chronik der Familie Bach". Eine andere Hörfolge hieß: "Der gestirnte Himmel über dir." Zwischendurch erschienen von ihm immer wieder hier und dort Gedichte und Prosatexte.

Mit kleineren literarischen Veröffentlichungen wollte sich Jochen Klepper den Weg zum Beruf des freien Schriftstellers ebnen, aber sein erster Roman fand keinen Verleger.

Wie schwierig es schon 1932 für einen Journalisten und Schriftsteller war, Artikel unterzubringen, geschweige denn eine feste Anstellung irgendwo zu bekommen - Wirtschaftskrise und große politische Unsicherheit kennzeichneten die damalige Situation -, geht deutlich aus Kleppers Tagebuchaufzeichnungen und aus dem Buch von Rita Thalmann "Jochen Klepper: Ein Leben zwischen Idyllen und Katastrophen" hervor. Auf jeden Fall war es nicht einfach, von der Veröffentlichung einzelner Artikel zu leben.

Rita Thalmann schreibt: "Mit dreißig Jahren, einem unveröffentlichten Roman, drei Novellen und vielen Aufsätzen, von denen er nur wenige schätzt, steht Jochen Klepper vor einer ungewissen Zukunft."

Aber dann schienen der Erfolg seines 1933 veröffentlichten Romans "Der Kahn der fröhlichen Leute" und eine Festanstellung beim Berliner Rundfunk im Herbst 1932 ihm doch eine sichere Existenz zu garantieren. Zunächst wurde es für ihn jedoch im Oktober 1932 unvermeidlich, aus der SPD auszutreten und mit dem "Vorwärts", für den er bis dahin gelegentlich geschrieben hatte, reinen Tisch zu machen.

Aber im Dritten Reich, als sich Klepper weigerte, sich scheiden zu lassen, wurde er wegen seiner "jüdischen Familie" und als früherer Mitarbeiter beim "Vorwärts" am 7.Juni 1933 entlassen. Bereits fertig gestellte Hörfolgen, ganze Zyklen, die im Grunde Kleppers geistiges Eigentum waren, wurden unter anderem Namen ausgestrahlt. Eine Zeitlang wurde Klepper noch anonym beschäftigt.

"Dreißig Wochen voller Freude, Verbitterung und maßloser Arbeit - alles reißt jäh ab.. es ist hart, denn mein Erfolg war gut, und meine Arbeit hatte einen Plan und Gehalt."

Fünf Wochen später, am 27.Juli 1933, fand Klepper eine Anstellung im Ullstein-Haus bei der Funkzeitung "Sieben Tage". Diese dauerte allerdings auch nur zwei Jahre - bis September 1935.

Außerdem hatte Klepper von der Redaktion der Wochenzeitschrift "Literarische Welt" - sie wurde 1925 von Willy Haas gegründet und seit 1933 von dem späteren Verleger Karl Rauch geleitet - den Auftrag erhalten, regelmäßig Funkkritiken zu schreiben. Hier musste schon im Januar 1934 die Arbeit wieder eingestellt werden, denn die "Literarische Welt" durfte nach einem Verbot durch die Geheime Staatspolizei nur weiterarbeiten, "wenn sie alle aktuelle Kritik lässt."

Am 12.1.1935 bekam Klepper vom Eckart-Verlag die Aufforderung, kirchliche Gedichte für eine kleine Anthologie einzureichen. "Dergleichen vermerke ich jetzt sehr dankbar", schreibt Klepper in sein Tagebuch, und am 19.Oktober 1938 notiert er, dass im Eckart-Verlag kaum noch ein Prospekt erscheint, in dem nicht seine Bücher erwähnt werden.

Ende 1937 wird Klepper von der Reichsschrifttumskammer, in die er noch 1934 aufgenommen worden war, ausgeschlossen.

Journalistisches Publizieren schien nun nicht mehr möglich sein. Aber mit einem Bescheid im Monat Juni 1937 wurde ihm mitgeteilt, dass die Ausschlussverfügung einstweilig ausgesetzt sei und er bis zur endgültigen Entscheidung durch den Herrn Präsidenten der Reichskulturkammer in der Ausübung der kammerpflichtigen Tätigkeit nicht behindert sei. Denn "in dem fatalen Institut", schreibt Kurt Ihlenfeld, gab es mindestens einen Beamten (mit Namen Dr. Koch), "der den 'Fall Klepper' mit eben so viel Noblesse wie Kühnheit behandelte und dem armen gejagten Autor jahrelang.. zur Seite stand" bis am 18.2.1942 an seine Stelle ein SS-Mann kommt, der mit dem 'milden Geiste' in Kochs Ressort aufräumen soll. Hin und wieder schrieb Klepper noch kleinere bis größere Aufsätze, zum Beispiel im September 1937 einen Essay über Kant, Voltaire und den Maler Ludwig Richter, den Paul Fechter für das "Berliner Tagblatt" haben wollte. Dieser erschien am 16.Januar 1938 unter dem Titel "Vollendung der Einsamkeit in der "Deutschen Zukunft".

Daneben verfasste Klepper rund 20 Artikel anlässlich des 250.Geburtstags von Friedrich Wilhelm I., besprach ausführlich Ina Seidels Roman "Lennacker" und Reinhold Schneiders "Las Casas vor Karl V." und wirkte an Filmskripten mit.


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