zurück vor auf Inhaltsverzeichnis


Widersprüchliches Verhalten der christlichen Kirchen

Widersprüchlich wie das Verhalten der Bevölkerung war auch das der Kirchen. So notiert Klepper am 21.11.1938: "Ungeheure Angriffe auf beide Kirchen in den prononcierten Parteiblättern - Angriffe, die es verstehen lassen, dass die Kirchen ohnmächtig im Politischen, keinen öffentlichen Schritt für die Judenchristen unternehmen."

9.4.1939:"..heute eine große Erklärung leitender kirchlicher Persönlichkeiten, die den Protestantismus zum Knecht des Nationalsozialismus und Luther zum Vorläufer Hitlers machen will."(445)

Am 14.1.1940 ist von dem furchtbaren Versagen der Kirche gegenüber der Judenpolitik des Dritten Reiches" die Rede. (491)

Nebenbei bemerkt Klepper, dass in vielen Gottesdiensten wohl für jeden verhafteten Pfarrer namentlich gebetet wird, aber die Fürbitte für Kriegsgefangene und getaufte Juden unterlassen wird.(R.364)Immer wieder wirft Klepper in seinem Tagebuch der Kirche ihre Gleichgültigkeit in der Judenfrage vor.

"Zu der ganzen jüdischen Boykottangelegenheit habe ich nur eins zu sagen: Ich trauere um die evangelische Kirche. Gott macht uns seine Ferne deutlich, schreibt Klepper am 29.März 1933 in sein Tagebuch und am folgenden Tag: "Aber ich glaube an das Geheimnis Gottes, das er im Judentum beschlossen hat, und deshalb kann ich nur darunter leiden, dass die Kirche die gegenwärtigen Vorgänge duldet. Ich ahne, was es heißt, 'Knecht Gottes' zu sein."


zurück vor auf ursula@UrsulaHomann.de Inhaltsverzeichnis