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Seine Werke, Ideen und sein Wirken in der ffentlichkeit

Kant begann als Naturforscher und setzte sich als 30jähriger mit dem Erdbeben von Lissabon am 1.11.1755 auseinander. Man solle solche Phänomene rein naturwissenschaftlich untersuchen, meinte er, sich mit Hilfe der Geophysik klar werden, wie es überhaupt zu Erdbeben kommt, und sollte daraus Konsequenzen ziehen. Damit hat Kant diese Fragen (ähnlich wie Voltaire) aus dem theologischen Horizont herausgeholt und nicht mehr gefragt, ob Menschen daran schuld seien oder ob es sich bei derartigen Katastrophen um eine Rache Gottes handeln könnte. Für Kant waren Erdbeben natürliche Phänomene, auch wusste er, dass jede Wirkung eine natürliche Ursache hat und dass wir zudem Gottes Willen nicht erkennen können.

(Die Suche nach übernatürlichen Ursachen bei Naturkatastrophen ist trotz Kant auch heute mitunter noch gang und gäbe. Man denke nur an die Katastrophe von New Orleans im Spätsommer 2005 durch Hurrikan und Überschwemmung. Christliche Fundamentalisten sahen darin eine Strafe Gottes für den "Sündenpool New Orleans", für Abtreibung, Homosexualität und andere "Delikte", jüdische Fanatiker eine gottgewirkte Antwort für die amerikanische Unterstützung des israelischen Abzugs aus dem Gazastreifen und Islamisten eine Antwort auf den Irakkrieg. Hierzu eine Notiz aus der "Zeit" vom 29.9.05: "Mit Fleiß haben viele fromme Aufklärer versucht, Gott und die Vernunft in eine Gleichung zu bekommen. Haben es so lange probiert, bis Gott der Geduldsfaden riss. Da ließ ER in Lissabon die Erde beben, am 1.11.1755, und erinnerte daran, dass Gott sich nicht beweisen und berechnen lässt." Benedikt Erenz.)

Das Leben Kants umfasste das gesamte 18.Jahrhundert. In seine Erwachsenenjahre fielen einige der bedeutsamsten Veränderungen der abendländischen Welt. Kants Philosophie war in erheblichem Maße Ausdruck dieser Wandlungsprozesse und eine Reaktion auf sie.

Den größten Teil seiner Bücher, auch seine bekannten drei Kritiken schrieb Kant in den achtziger und frühen neunziger Jahren, durch die er berühmt geworden ist. Das meiste von dem, woran die Menschen denken, wenn sie den Namen Kant hören, wurde in dieser Phase geschaffen: Der Kant der drei Kritiken, durch die er eine neue Epoche der Philosophie begründete. Herder, der im August 1762 nach Königsberg gekommen war und bei Kant studierte, war später der Ansicht, dass dies Kants besten Jahre gewesen seien. Auch betonte er, Kants einziges Interesse habe der Wahrheit gegolten, um Sekten und Parteien habe er sich nicht gekümmert.

Kant selbst hatte seine Werke unter das Motto de nobis ipsis silemus (über uns selbst schweigen wir) gestellt.

Als Kant seine Lehrtätigkeit an der Universität aufnahm, hatte er bereits eine Reihe von Büchern und Aufsätzen veröffentlicht.

Kant, der Meisterdenker und unermüdliche Aufklärer, entwickelte bereits früh ein unerschrockenes Selbstbewusstsein. "Ich habe mir die Bahn schon vorgezeichnet, die ich halten will", schreibt Immanuel Kant 1746, gerade zweiundzwanzig Jahre alt und fast gleichzeitig Waise geworden. "Ich werde meinen Lauf antreten und nichts soll mich hindern, ihn fortzusetzen."

"Ich habe, ich will, ich werde" - so viel Ich ist rar um die Mitte des 18. Jahrhunderts, in Preußen, wo Friedrich II. seinen Untertanen zwar das Denken freigibt, aber absoluten Gehorsam verlangt. Erst recht ungewöhnlich wirkt die Ich-Entschiedenheit bei dem mittellosen Sohn eines Handwerkers.

Der "kategorische Imperativ", Aufklärung als "Ausgang aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit", "der bestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir", das Gewissen als "innerer Gerichtshof des Menschen" sowie der Satz "Begriffe ohne Anschauung sind blind. Anschauungen ohne Begriffe sind leer" - all dies gehörte einst zum intellektuellen Besteck der halbwegs Gebildeten.


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