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Lebenslauf

Die ersten sechzehn Lebensjahre verbrachte der am 10.März 1873 in Fürth als Sohn eines jüdischen Spielwarenfabrikanten geborene Jakob Wassermann in seiner Geburtsstadt.

"Mein Vater ist ein kleiner Kaufmann gewesen", notiert Wassermann in seinen Erinnerungen, "dem es auf keine Weise wie den meisten seiner Glaubens- und Altersgenossen gelingen wollte, Reichtümer zu erwerben. ... Er hatte in Geschäften eine unglückliche Hand. ... Er gründete eine kleine Fabrik und machte bald darauf Bankrott."

Die Fürther Zeit hat Wassermann stark geprägt. Gehören doch der frühe Tod der Mutter - sie starb, als Jakob neun Jahre alt war - und eine "böse Stiefmutter, wie es sie sonst nur im Märchen gibt, zu Wassermanns traumatischen Kindheitserfahrungen, und so ist es wohl kein Zufall, dass er in manchen seiner Bücher, zum Beispiel in "Caspar Hauser" und "Etzel Andergast," ein innerlich elternloses Kind vorgestellt hat. In seiner Autobiographie "Mein Weg als Deutscher und Jude" schildert er seine eigene entbehrungsvolle Jugendzeit, sein Leiden unter der "Luft der Armut und Lieblosigkeit im väterlichen Haus", unter dem jüdisch-mittelfränkischen Kleinbürgertum und der wilhelminischen Schule als seelenloser Ordnungsanstalt.

Früh war in Wassermann die Lust am Erzählen erwacht, das Bedürfnis "Kunde zu geben", wie er es nannte. Doch wurden seine schriftstellerischen Neigungen von Vater, Stiefmutter und Schule aufs heftigste unterdrückt. Ihnen galten Lebendigkeit und Fantasie als unwürdig und verdammenswert.

Nach der Schulzeit ging Jakob Wassermann bei einem Onkel in Wien in die Lehre, die er jedoch bald abbrach. Nach dem einjährigen Militärdienst - hier wurde er häufig wegen seiner körperlichen Untauglichkeit angepöbelt und bekam antisemitische Frechheiten zu hören - arbeitete er als Versicherungsangestellter in Nürnberg. 1894 wird er in München Sekretär beim Schriftsteller Ernst von Wolzogen, dem späteren "Überbrettl"-Gründer und Redakteur beim "Simplizissimus". In Ernst von Wolzogen und im Verleger Albert Lange findet er erste Förderer. Bei Langen erscheint 1897 sein erster Roman "Die Juden von Zirndorf", dem Wassermann seinen ersten Ruhm verdankt. Während seiner dreijährigen Tätigkeit als Lektor beim "Simplicissimus" lernt Wassermann Thomas Mann, Rainer Maria Rilke, Hugo von Hoffmannsthal und Arthur Schnitzler kennen. Im Mai 1898 übersiedelt er nach Wien, wird dort Theaterkorrespondent und verlegt bald darauf seinen Wohnsitz nach Altaussee in der Steiermark.1901 heiratet er Julie Speyer, eine exzentrische jüdische Tochter aus reichem Wiener Haus, und erringt zunehmend schriftstellerische Erfolge. Aber die Ehe verläuft glücklos und wird geschieden.

Später heiratete er die deutsche Wienerin Marta Karlweis. Doch nur mit Mühe konnte er seine Lebensangst bändigen. Seine erste Frau überzog ihn mit Geldforderungen und Gerichtsbescheiden - davon wird in "Kerkhoven" erzählt. Auch liebten Wassermann und seine Frau Marta das Leben auf großem Fuß. Seine letzten Werke zeigen eine unaufhörlich anschwellende Angst und Verzweiflung. Der Zusammenbruch kam mit der Machtübernahme der Nazis.

Nachdem Wassermann im März 1933 in einem Artikel für die "Neue Rundschau" den deutschen Antisemitismus ungeschminkt angeprangert und Klaus Mann einen seiner Vorträge, in dem Jakob Wassermann darlegt, wie er sich als Jude versteht, in seiner Exilzeitschrift "Die Sammlung" abgedruckt hatte, wurde der Schriftsteller Anfang Mai 1933 wurde aus der Sektion Dichtkunst der Preußischen Akademie der Künste ausgeschlossen und sein Werk nicht mehr gedruckt. Aber unbeirrt schrieb Wassermann weiter an seinem Roman "Joseph Kerkhovens dritte Existenz" und plante, anschließend die Lebensgeschichte des Ahasver, des ewigen Juden, zu erzählen. Dieses Vorhaben konnte der Autor allerdings nicht mehr ausführen. Der Tod kam ihm zuvor. Er ereilte ihn in seinem österreichischen Landhaus am 1.Januar 1934 und ersparte ihm die persönliche Verfolgung durch die Machthaber des Dritten Reiches. In einem Nachruf auf ihn heißt es: "Er starb auch an seinem Gram und den Qualen der Zeit."

In "Joseph Kerkhovens dritte Existenz" - der Roman erschien 1934 posthum im holländischen Exil-Verlag Querido - steht der geradezu prophetische Satz: "Es kommt eine finstere Zeit. Seit einem Jahrtausend war keine ähnliche", und in Wassermanns "Selbstbetrachtungen" heißt es nicht minder vorausahnend, der "Ofen des Antisemitismus" sei entfacht und werde Millionen verbrennen.


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