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"Geschichte gegen den Strich bürsten"

Was sie bewegte, waren von Anfang an vor allem Vorstellungen von einer besseren Welt und die Leiden an der eigenen Zeit, die sie als mittelmäßig und als unheroisch empfand. Sie orientierte sich an den Helden des Altertums, an den Exponenten der Französischen Revolution und entwickelte dabei eine durchaus positive Sicht auf Robespierre, auf die Zeit der Schreckensherrschaft während der Französischen Revolution und versuchte so, die im deutschen Raum negative Einschätzung des Revolutionärs zu revidieren.

Im Herbst 1933 verfasste sie den Essay "Das Bildnis Robespierres", danach den Gedichtzyklus "Robespierre" und zwischen November 1934 und März 1935 ein Schauspiel in vier Aufzügen "Cécile Renault".

Offensichtlich war Gertrud Kolmar bemüht gewesen, die Geschichte im Benjaminschen Sinn 'gegen den Strich zu bürsten' und angesichts der eigenen tödlichen Bedrohung 'Hoffnung im Vergangenen' zu finden. So mag verständlich werden, dass Robespierre für sie nicht nur ein von der Menge Verleumdeter und zu Tode Gehetzter war, sondern auch als unbestechlicher und gläubiger Richter zu einer Identifikationsfigur wurde. Zwar habe sich Gertrud Kolmar in gewisser Weise aus ihrer Zeit weggestohlen, meint Beatrice Eichmann-Leutenegger, "aber sie hat sich ihr auch wieder gestellt: mit der Unerschrockenheit und Konsequenz ihrer ganzen Persönlichkeit."


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