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Naipauls Leben

Mit einem Stipendium kam V.S.Naipaul 1950 nach Großbritannien, studierte in Oxford, wurde Journalist und schrieb für den linksliberalen New Statesman und den World Service der BBC. Bald trat er mit seinem ersten Roman an die Öffentlichkeit und machte, wie er es seinem Vater versprochen hatte, die Schriftstellerei im Alter von 23 Jahren zu seinem Beruf.

Werfen wir erst einmal einen Blick auf das wechselvolle und ungewöhnliche Leben dieses englischen Schriftstellers indischer Abstammung, der am 17.August 1932 in Chaguanas, Trinidad, das Licht der Welt erblickte. Sein Großvater mütterlicherseits war aus dem nördlichen Indien als Wanderarbeiter auf die Insel gekommen, verdiente sich hier als Zuckerrohrarbeiter seinen Lebensunterhalt und gehörte wie die übrige Familie der Kaste der Brahmanen an. Naipauls Vater brachte es dann schon zum Drucker, Journalisten und Autor. Er war ein begeisterter Leser, der seine Kinder stark beeinflusste. (Naipauls jüngerer, früh verstorbener Bruder Shiva genoss zu Lebzeiten als Autor ebenfalls internationales Ansehen.)

Schon damals als Student in Oxford wusste er: Ich werde entweder enorm erfolgreich oder ein gescheiterter Niemand. Zunächst litt er entsetzlich unter dem Kulturschock, den der Wechsel von Westindien nach England mit sich brachte, und lernte, sich zu panzern.

Insgesamt schrieb V.S.Naipaul etwa zwei Dutzend Bücher: Romane, Erzählungen, Reiseberichte und Essays, wobei er häufig die Grenzen zwischen Fiktion, Autobiographie, authentischen Berichten und Sachprosa verwischt. Seine ersten im karibischen Raum angesiedelten Bücher - "Der mystische Masseur", "Wahlkampf auf karibisch oder eine Hand wäscht die andere" und "Guerillas" erzählen von seiner Jugendzeit und berichten ungeschminkt von den Konflikten ethnischer Mischgesellschaften. Den ersten großen Erfolg bescherte ihm 1961 der Roman "Ein Haus für Mister Biswas", in dem der Schriftsteller den Lebenslauf seines Vaters beschreibt. Die Hauptperson Mohun Biswas - er stammt aus einer noch dem Kastendenken verhafteten hinduistischen Familie - bemüht sich angestrengt, sozial aufzusteigen, vom Händler, Plantagenaufseher, Journalisten zum Regierungsbeamten. Aber Biswas stirbt schon mit 48 Jahren und kann das eigene, im Bau befindliche Haus, in dem er die Erfüllung seines Lebens sah, nicht mehr bewohnen. Die physischen und psychischen Deformationen, die er in seinem entbehrungsreichen Dasein hat hinnehmen müssen, haben ihn vorzeitig aufgezehrt. Schon Naipauls frühen Texte sind in einem außerordentlich pointierten Stil verfasst, die ihn als scharfsichtigen Intellektuellen westeuropäischen Zuschnitts ausweisen. Die ersten Bücher behandeln zwar auch schon ernste Themen, doch sind sie noch nicht so bitter und hart zynisch urteilend wie die späteren. Sie enthalten feine ironische Untertönen und sind zuweilen auch komisch. Naipaul selbst bezeichnete seine frühen Geschichten als "soziale Komödien".


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