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Judenfeinde bemächtigen sich des Dichters

Judenfeinde nahmen Schiller für ihre judenfeindliche Haltung in Anspruch wie auch andere Ideologen Schiller und Goethe für sich vereinnahmt haben.

So versuchte ein Karl Haller Schiller, schon früh in den Dienst des Antisemitismus und arischen Rassenwahns zu stellen und in der Schrift "Schiller-muss also auferstehen!" für die sogenannte "arische Freiheit" eine Lanze brechen. Er schreibt: "Wer einen Blick auf die jüdische Erotik in der Kunst unserer Tage wirft, ..der dürfte sehen, wohin uns jene 'Freiheit' geführt hat und noch führen möchte, die 1779 in die Welt trat, als leider - Lessing über Betreiben und unter eifrigem Zutun des 'edlen' Philosophen Moses Mendelssohn seinen 'Nathan-den Weisen' dem Buchhandel übergab!"

Nicht selten wurde Schiller von Judenfeinden "als völkischer Erneuerer, der das Judentum zu züchtigen wusste?, begrüßt. In die gleiche Kerbe schlug Mathilde Ludendorff, als sie meinte, Haller habe in meisterhafter Weise bewiesen, dass Schiller als Philosoph und Ethiker der Verjudung unserer Kultur eine Festung des Deutschen Idealismus entgegen gestellt habe und deshalb von den Juden grimmig gehasst worden sei.

Im Jahr 1928 erschien das Buch "Der ungesühnte Frevel" mit der Behauptung, Schillers früher Tod sei nicht Folge einer Krankheit, sondern einer Vergiftung gewesen. Der Dichter soll das Opfer eines heimtückischen Verbrechens geworden sein, verübt von Juden und Freimaurern. Diese haarsträubende These stammte von Mathilde Ludendorff, die sich zusammen mit ihrem Mann, dem Weltkriegshelden General Erich Ludendorff, den Kampf gegen die angebliche Herrschaft von Juden und Freimaurern verschrieben hatte. Das Buch erschien bis 1936 in einer Gesamtauflage von 59.000 Exemplaren. Seine Thesen wurden erregt diskutiert und provozierten wissenschaftliche Beiträge.

Hans Fabricius' Versuch, in Schiller einen "Kampfgenosse Hitlers" zu sehen und ihn zum Vorkämpfer des Nationalsozialismus zu machen, war weniger eine Demütigung Schillers als eine Verhöhnung derer, die glaubten, Schiller böte einen Schutz vor der Barbarei, kommentiert Norbert Oellers dieses Unterfangen.


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