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Jüdisches Leben war immer gefährdet

Nicht nur die Kreuzzüge, auch grundlose Verdächtigungen und Anklagen, die auf absurden Legenden beruhten, wie Hostienschändung und Ritualmord, gefährdeten immer wieder das Leben von Juden. Bis in das Jahr 1891 zieht sich eine Kette von etwa 300 Ritualmord-Beschuldigungen, die zu Verfolgungen und Verurteilungen Unschuldiger führten. In Koblenz und in anderen Rheinorten kam es im 13.Jahrhundert im Zusammenhang mit der "Ritualmordlegende" um den "Guten Werner von Bacharach" zu Pogromen. Man munkelte, Juden hätten den Knaben Werner zu Tode gepeinigt. Daraufhin wurden 26 Juden aus Bacharach ohne Gerichtsverfahren umgebracht. Zum Grabe des heiligen Werner strömten Scharen von Glaubensseligen. Die jüdischen Gemeinden wandten sich an den Kaiser Rudolf von Habsburg (1218 -1291). Der Kaiser, der von der Grundlosigkeit der Beschuldigung überzeugt war, legte den Mördern der Juden eine Geldbuße auf und befahl, die Leiche des Werner zu verbrennen. Seine Anordnungen wurden nicht beachtet, im Gegenteil: man errichtete dem Toten zu Ehren eine Kapelle und feierte später in der Diözese Trier sogar ein Fest des heiligen Werner - bis (man höre und staune!) zum Jahr 1963.

Zur Zeit Rudolfs machten in Worms zwei Persönlichkeiten von sich reden: der Rabbi Meir von Rothenburg und Alexander ben Salomo, genannt Süßkind Wimpfen. Rabbi Meir, geboren etwa 1220 zu Worms, war eine Autorität auf theologischem und juristischem Gebiet. Mit zahlreichen Juden wollte er 1286 nach Palästina auswandern. Ihr Weggang hätte für die kaiserliche Schatulle einen großen Einnahmeverlust bedeutet. Meir, den man für den Initiator dieser Aktion hielt, wurde daraufhin, auf Veranlassung des Kaisers, in Haft genommen. Man hoffte, auf diese Weise von den Juden Geld zu erpressen. Der Rabbi indessen bedrohte seine Juden mit dem Bann, falls sie zahlten. Sieben Jahre bis zu seinem Tod am 27.April 1293, blieb Rabbi Meir in Ensisheim im Oberelsass in Haft. Nach seinem Tod wurde sein Leichnam zurückgehalten, weil die Kaiserlichen auf die Pietät der Juden und ein möglichst hohes Lösegeld spekulierten. Erst vierzehn Jahre später, 1307, konnte der jüdische Kaufmann Alexander ben Saloo Wimpfen aus Frankfurt, unter Aufbietung seines gesamten Vermögens, den Christen die Leiche abkaufen. Dafür erbat er sich die Gunst, neben Meir in Worms bestattet zu werden. So geschah es, als Wimpfen im selben Jahr starb. Heute liegen beide nebeneinander auf dem Judenfriedhof von Worms.

In den Jahren 1336/37 zogen vom Elsass kommend, sogenannte Judenschläger zum Mittelrhein. Unter der Leitung zweier Edelleute, die sich "Könige Armleder" nannten, beraubten und ermordeten sie zahlreiche Juden im gesamten Rheintal, in Andernach, Bacharach, Oberwesel, Boppard, Koblenz und Montabaur. Weitere Vernichtungs- und Vertreibungswellen brachte 1349 der Ausbruch der Pest, bei dem sich sofort das Gerücht verbreitete, die Juden hätten die Pest aus dem Orient eingeschleppt.

Wieder wurden viele jüdische Gemeinden fast restlos vernichtet. In Worms kam die jüdische Gemeinde dem Mob zuvor. Um dem Massaker zu entgehen, zündeten die Wormser Juden ihre Häuser an und starben so durch eigene Hand, "zu Ehren des geheiligten Namens".


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