zurück vor auf Inhaltsverzeichnis


Die Kirche hat sich mit Bruno noch nicht ausgesöhnt

Von 1603 bis 1965 standen Brunos Schriften auf dem Index librorum, der Liste kirchlicherseits verbotener Bücher. Das mutet einigermassen paradox an, da Bruno alle seine 1603 auf den Index gesetzten Schriften erst nach Verlassen des Ordens verfasst hatte und das nicht als Theologe, sondern als Philosoph.

Der erste Konflikt mit den Glaubensinstitutionen war durch Brunos Interesse für die erasmischen Kommentare der Kirchenväter und seine Verachtung der gefühlsbetonten Marienverehrung entstanden. Hinzu kamen seine Zweifel am Dogma der Trinität sowie seine angespannte Beziehung zur christlichen Offenbarungsreligion insgesamt. Einige Autoren glauben sogar, dass Bruno das Christentum für eine bloße Perversion ägyptischer Kulte gehalten habe. Aber auch Brunos und Antiaristotelismus, der vor dem großen Thomas von Aquin nicht Halt machte, und sein Copernicanismus erregten Ärgernis.

Auch seine spätere Beschäftigung mit der Gedächtniskunst und den Lehren des Lullus erregte den Argwohn der Kirche. War doch der Lullismus in ihren Augen eine sektiererische Strömung. In gewisser Weise war der Lullismus des Giordano Bruno, nach Ansicht von Wildgen, "noch anrüchiger als sein Copernicanismus, denn die Werke des Copernicus standen noch nicht auf dem Index, und es hatte keine Verurteilung stattgefunden" (S.83). Dagegen war Lullus bei der Gegenreformation, weil er Christliches mit islamischer und jüdischer Weisheit in Verbindung gebracht hatte und sein Werk zur Alchimie und Magie missbraucht wurde, in Misskredit geraten.

Sein Tod auf dem Scheiterhaufen sollte ein Schreckenszeichen für die Gegner Romas sein. Er selbst wurde im 19.Jahrhundert zum Symbol der laizistischen Bewegung, durch deren Initiative am 9.Juni 1889 ein Monument für Giordano Bruno auf dem Campo de Fiori, wo er im Jahr 1600 verbrannt worden war, eingeweiht werden konnte. Diesem Festakt waren jahrelange Kämpfe vorausgegangen. Studentenproteste, die die Absetzung des papstfreundlichen Bürgermeisters forderten, und der Druck eines internationalen Ehrenkomitees waren dafür nötig gewesen, dem Victor Hugo, Ernest Renan, Herbert Spencer, Ernst Haeckel, Georg Ibsen und Ferdinand Gregorovius angehörten. Der Vatikan versuchte vergeblich, das Denkmal beseitigen zu lassen, und sprach, als ihm dies nicht gelang, einen der Unterzeichner des Todesurteils von Bruno, Kardinal Bellarmin, heilig. Nicht wenige sahen darin nur eine hilflose Trotzreaktion des Vatikans. Der damalige Papst Leo XIII. hatte selbst anlässlich der Enthüllung des Brunostandbildes auf dem römischen Campo dei fiori ein Sendschreiben an die gläubige Welt 1889 gerichtet mit folgenden Worten :""Er(Bruno)hat weder irgendwelche Verdienste um die Förderung des öffentlichen Lebens erworben. Seine Handlungsweise war unaufrichtig, verlogen und vollkommen selbstsüchtig, intolerant gegen jede gegenteilige Meinung, ausgesprochen bösartig und voll von einer die Wahrheit verzerrenden Lobhudelei."

Auch heute noch tut sich die Katholische Kirche mit dem anstößigen Philosophen schwer, und es ist fraglich, ob die Kurie, Bruno an seinem vierhundertsten Todestag genauso rehabilitiert wie kurzem Galilei. Offensichtlich sieht die Katholische Kirche in Giordano Bruno immer noch einen Häretiker.


zurück vor auf ursula@UrsulaHomann.de Inhaltsverzeichnis