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Nietzsche über Dichter, Leser und Sprache

Nietzsche selbst hat sich auch über Schriftsteller, Dichter, Stil und Leser geäußert. "Wie der gute Prosaschriftsteller", so hat er einmal gesagt, "nur Worte nimmt, welche der Umgangssprache angehören, doch lange nicht alle Worte derselben - wodurch eben der gewählte Stil entsteht -, so wird der gute Dichter der Zunft nur Wirkliches darstellen - aber lange nicht jede Wirklichkeit." - "Den Stil verbessern", meinte Nietzsche, "heißt Gedanken verbessern und gar nichts weiter!" Aber:"Alle Dichter und Schriftsteller, die in den Superlativ verliebt sind, wollen immer mehr als sie können", und: "Gute Leser machen ein Buch fast immer besser, und gute Gegner klären es ab."

"Welche Marter sind deutsch geschriebene Bücher, für den, der das dritte Ohr hat", - dieser Stoßseufzer des späten Nietzsche, hat mitunter heute noch seine Berechtigung. Eine "Kunst des Stils" und womöglich "des großen Rhythmus", wie sie Nietzsche in "Ecce Homo" fordert, wird in der deutschen Literatur gegenwärtig wohl am wenigsten gepflegt, ganz zu schweigen von der Sekundär- und der Sachbuchliteratur.

Und über die Literatur seines Zeitalters urteilte er zwischen 1887 und 1888: "..verrückt und mathematisch zugleich, analytisch-phantastisch, die Dinge wichtiger und im Vordergrund nicht mehr die Wesen, die Liebe abgeschafft (schon bei Balzac tritt das Geld in den Vordergrund): mehr von der Geschichte im Kopfe erzählend als von der im Herzen."


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