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Die Gleichung vom frommen Gehorsam und Glück stimmt nicht

Hiob war ein Mensch, dem das Schicksal mit harten Streichen bewiesen hatte, dass die Gleichung von frommem Gehorsam und Glück nicht stimmt. Hiobs geheime Frage: Wie kann man glücklich werden, wenn einem der Gehorsam gegen Gott nicht angerechnet wird, lebt weiter. Denn wenn man trotz der strengsten Erfüllung aller Gebote, die der Herr erlassen hat, unglücklich werden kann - dann ist man eben nicht in jedem Falle seines Glückes Schmied. Im christlichen Mittelalter und in verschiedenen anderen Religionen wurde und wird die Einlösung des Versprechens auf Belohnung oder Bestrafung in die kommende Welt verlagert. Dieser Aufschub ermöglicht es dem Gerechten und Frommen, sein Leid zu ertragen, und dem Frevler, die Gebote zu missachten. Trotzdem fragt sich auch ein Gläubiger wie der katholische Theologe und Philosoph Romano Guardini und mit ihm viele andere aus der jüdischchristlichen Tradition: Warum benötigt Gott zum Heil die fürchterlichen Umwege, das Leid der Unschuldigen und die Schuld? Bei Hiob kennen wir die Ursache seines Unglücks. Was für ihn unbegreiflich war, ist für uns, die wir das Buch lesen, problemlos zu verstehen. Wir wissen, weshalb der Mann mit Zerstörung, Krankheit und dem Verlust seiner Kinder gestraft wurde. Dafür plagt uns die Frage: Warum hat sich Gott auf die Provokation des Satans überhaupt ein- und die Prüfungen Hiobs zugelassen? Warum machte er Hiob zum Gegenstand einer Wette? Hiob wurde schlicht und ergreifend, sagen Spötter wie der israelische Journalist Meir Shalev, als Versuchskaninchen missbraucht. Zudem sei dies nicht das erste wissenschaftliche Experiment von Gott gewesen. Abraham habe er ebenfalls auf die Probe gestellt, als er ihm befahl, seinen Sohn Isaak zu opfern. Aber bei allem, was sonst auf Erden geschieht, fehlt uns oft das Hintergrundwissen. Manches Geheimnis um Leid und Unglück werden auch wir bei allem wissenschaftlichen Fortschritt und analytischem Scharfsinn niemals lüften.

Shalev schließt seine ironische Betrachtung mit der Feststellung, dass sich Hiob mit einer unzulänglichen Antwort zufriedengeben musste."Wir jedoch, die wir überzeugt sind, dass Gottes Antwort von einem Sterblichen verfasst wurde, nehmen hiermit die Gelegenheit wahr, an Gott eine Empfehlung auszusprechen:Beim nächsten Mal sollte er qualifiziertere Redenschreiber engagieren als die, die ihre dürftigen Fähigkeiten im Buch Hiob ausgetobt haben."

Und Adolf Holl in "Wo Gott wohnt", schließt seine Betrachtung zu Hiob mit:

"Der Gelähmte im Rollstuhl wird vielleicht folgende Frage stellen:Wie komme ausgerechnet ich dazu, ein theologisches Versuchskaninchen zu sein? Das ist eine gute Frage. Eine Antwort darauf gibt es nicht.

Warum schafft Gott die Leiden nicht ab? Weil er dann die ganze Welt zerstören und eine bessere schaffen müsste. Warum tut er das nicht? Das weiß nicht."


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