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Werden Kleppers Bücher in der Literatur einen bleibenden Platz einnehmen?

Sein Tagebuch "Unter dem Schatten deiner Flügel" (1956), Dokument eines Schicksals im Dritten Reich und zugleich Zeugnis seines Lebens "aus Glauben", sicherlich. Gehört es doch zu den erschütterndsten autobiografischen Zeugnissen aus der Zeit des Dritten Reiches, neben den Büchern von Sebastian Haffner und Victor Klemperer sowie Gertrud Kolmars Briefen. Das Tagebuch, in dem Klepper laut eigenem Bekunden, nur aufgezeichnet hat, "was nicht in den Zeitungen steht", gibt Aufschluss über Kleppers seelische Lage in den Jahren von 1932 bis 1942 und lässt auch den schmerzlichen Werdegang des Romans "Der Vater" erkennen. Aus Kleppers Tagebuch erfährt man aus erster Hand sehr viel Authentisches über den Alltag im Dritten Reich, über das Verhalten nichtjüdischer Deutscher gegenüber Juden - "Die menschliche Härte feiert heute Orgien" - und über das Anbiedern der offiziellen Kirche an die braunen Machthaber, aber auch von dem mehr oder weniger versteckten Widerstand und Aufbegehren einzelner Menschen.

Kleppers Lyrik, vor allem seine "Geistlichen Lieder", die unter dem Titel "Kyrie" im Eckart-Verlag 1938 erschienen sind und wesentlich zur Erneuerung des evangelischen Kirchenlieds aus dem Geist der Heiligen Schrift beigetragen haben, dürften ebenfalls von Bestand sein. Schon 1939 wurden in einzelnen Morgenandachten die "Kyrie-Lieder" gelesen. "Das Kyrie ist in die Häuser gedrungen". Einiges fand in dieser Zeit schon Eingang in evangelische Kirchengesangbücher der deutschen Schweiz. Mancher hat dieses Buch mit in den Krieg genommen. "Ihlenfeld rief mich an: "Kyrie 6.-8.Tausend", schreibt Klepper am 28.11.1939 in sein Tagebuch und am 14.12.1939: "Im Eckart-Verlag aber wird täglich von den Buchhandlungen wegen der neuen "Kyrie"-Auflage gemahnt." Am 6.Mai 1940 erfährt Klepper von Ihlenfeld, dass die dritte, erweiterte Auflage von "Kyrie" vorbereitet wird.

Angesichts seiner "Ehe im Schatten" (so der Titel eines Film über das Schicksal der Familie Gottschalk) ist Kleppers literarisches Werk nach dem Erscheinen des "Vater" schmal geblieben.


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