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Das Christentum und der Humor

Hat der Christ nichts zu lachen oder:Wie hält es die Kirche mit dem Humor? Spielt er eine Rolle im christlichen Glauben?

Die Tradition grimmiger Theologen

Auffassungen über Humor in der christlichen Kirche bei Sören Kierkegaard und Umberto Eco

Beruht der Mangel an Humor im Christentum auf einem Mangel an Toleranz?

Ist theologisch das Lachen mit dem christlichen Glauben vereinbar?

Kann ein gläubiger Christ Humor haben?

Lachen die Seligen im Himmel?

Hat Gott Humor?

Seelsorger mit gütigen Humor

Wie oft und in welcher Bedeutung kommt das Lachen in der Bibel vor?

Lachen gehört zur jüdischen Tradition

Lachen und Erlösung

Hat Jesus gelacht?

Wie halten oder hielten es die Christen selbst mit dem Lachen und dem Humor? War Luther ein fröhlicher Mensch?

Viele Theologen verteidigen den Humor in der Kirche

Humor und christliche Botschaft schließen einander nicht aus

Christliche Kabaretts und Comics im Dienste des Christentums

Der jüdische Religionsphilosoph Martin Buber nannte den Humor den "Milchbruder des Glaubens" und fügte erklärend hinzu: "Wenn ein Mensch nur Glauben hat, steht er in Gefahr bigott zu werden. Hat er nur Humor, läuft er Gefahr, zynisch zu werden. Besitzt er aber Glaube und Humor, dann findet er das richtige Gleichgewicht, mit dem er das Leben bestehen kann." Für Buber war der Humor ohne den Hintergrund des Glaubens nicht denkbar, und der jüdische Theologe Jakob Petuchowski verurteilte eine Theologie ohne Humor sogar als Gotteslästerung. Wie jedoch hält es die christliche Kirche mit dem Humor? Welchen Stellenwert räumt sie ihm ein? Welche Rolle spielt er im christlichen Glauben?

Die Tradition grimmiger Theologen

In der Frühzeit des Christentums wurde vielfach die Auffassung vertreten, der Christ dürfe in diesem Leben nicht lachen, vielleicht weil er, so könnte man spöttisch hinzufügen, in der strengen kirchlichen Hierarchie ohnehin nichts zu lachen hatte. Denn nicht von ungefähr spricht man heute noch vom "Heidenspaß", während es schwerfällt, das Christentum mit Humor, mit Lachen und Scherzen in Verbindung zu bringen, zumindest in der evangelischen Kirche. Die katholische hat immerhin den Karneval in das Kirchenjahr fest integriert.

Der große Lehrer der Ostkirche aus dem vierten Jahrhundert Johannes, der den Beinamen Chrysostomos, zu deutsch Goldmund, trug, weil er herzergreifend zu predigen verstand, wies einmal in einer Predigt eindringlich darauf hin, dass der Christ, der doch mit seinem Herrn gekreuzigt sei, niemals lachen dürfe, sondern ständig weinen müsse, worauf, so berichtet Eike Christian Hirsch, einige Zuhörer lachten und ihm zuriefen:"Wir wollen Tränen sehen!" Doch damit soll es selbst bei Johannes Goldmund nicht immer geklappt haben. Aber die Frage, ob Christen lachen dürfen, ist wiederholt diskutiert worden.

Womöglich war das Lachen im Mittelalter auch deshalb verpönt, weil es die Erlösung vorwegzunehmen schien. "Selig seid ihr, die ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen", so heißt es in der Bibel. Vor allem fromme Eiferer, die wie alle Fanatiker und Besserwisser kaum Sinn für Humor haben, weil sie sich selbst zu ernst nehmen, waren fest davon überzeugt, dass die christliche Religion um so wahrer sei, je radikaler und unfroher sie von ihren Anhängern verkündet und vertreten werde.

Es gibt eine lange Traditionsreihe grimmiger Theologen, die das Lachen kritisiert und in ihm Weltlichkeit, sündhafte Dreistigkeit und mangelnden Glauben gesehen haben. Christliche Heilige lachen selten. Man hat zumindest nichts davon gehört, dass sie gelacht hätten, und wer die Bibel, das Alte und das Neue Testament, sowie die Geschichte der christlichen Theologie auf der Suche nach dem Komischen durchstreift, wird, jedenfalls nicht auf den ersten Blick, selten fündig. Offensichtlich fehlt in den heiligen Schriften und in der Theologie des Christentums ganz einfach der Humor. Selbst der fröhliche tierliebende Franz von Assisi soll an die überkommende kritische Beurteilung des Lachen angeknüpft und geglaubt haben, dass sich im Gelächter bloß eitles Geschwätz und albernes Gescherze spiegelt. Wie verbreitet die Meinung ist, dass Lachen im Christentum verpönt sei, zeigt eine kleine Geschichte von Karl Barth, in der er davon erzählt, dass er im November 1916 einen "aufrichtigen frommen Mann" getroffen habe, der der Meinung gewesen sei, ein Christ dürfe nie scherzen.

Sören Kierkegaard und Umberto Eco über Humor im Christentum

Warum im Christentum eine derartig negative Haltung gegenüber dem Lachen verankert ist, das glaubte Sören Kierkegaard, der dänische Religionsphilosoph, herausgefunden zu haben. Er selbst betrachtete ebenfalls den Glauben und den Humor als zwei sich einander ausschließende, wenngleich benachbarte Existenzsphären. Lachen habe, sagte er, in einer Religion keinen Raum, die das Leiden so sehr betont wie das Christentum. Der religiöse Mensch könne daher nicht komisch werden. Ein richtiger Humor besitze zwar vom Leiden eine Vorstellung, vollziehe jedoch im Gegensatz zum religiösen Menschen eine trügerische Wendung und widerrufe das Leiden in Form des Scherzes. Dennoch (auch Kierkegaard war halt nur ein Mensch in seinem Widerspruch) sah er im Humor die letzte essentielle Stufe vor dem Glauben und schrieb in sein Tagebuch:"Humor ist auch die Freude, welche die Welt überwunden hat."

Die Abneigung der Kirche gegenüber dem Lachen ist auch das Thema in Umberto Ecos Roman "Im Namen der Rose". Hier wird der hochbetagte, gebildete und blinde Mönch Jorge von Burgos zum Mörder, um zu verhindern, dass sich das einzige Exemplar des zweiten Buches der aristotelischen Poetik, das sich ausgerechnet in der von ihm betreuten Klosterbibliothek befindet, allgemein bekannt wird. Fürchtet doch der Mönch, dass dieses Buch, in dem Aristoteles das Lachen lobt und rechtfertigt, das ideologische Angst- und Einschüchterungssystem des mittelalterlichen Christentums zum Einsturz bringen könne. Nur Angst, glaubt er, veranlasse Menschen, ein gottgefälliges Leben zu führen, während das Lachen, so sah es jedenfalls der Mönch, ein Merkmal menschlicher Sündhaftigkeit und Beschränktheit sei und zudem noch den Gläubigen von seiner Furcht vor dem Teufel befreit. Denn durchweg ist der lachende Mensch, das weiss auch Jorge, ein kritischer Mensch, der vor Autoritäten nicht kuscht und unverrückbare Wahrheiten nicht ohne weiteres gelten läßt. Und wie lautet nun Ecos Botschaft in diesem Buch? Die übergroße Liebe zu Wahrheit, Reinheit,Gerechtigkeit, Buße und dem Verlangen, die Welt vom Übel zu säubern, ist, so etwa könnte man sie formulieren, eine unleidliche Leidenschaft, die nicht selten Gewalttaten und Vernichtung heraufbeschwört. Der überzogenen Liebe zum Guten, die kaum Gutes gebiert, setzt Eco mit dem Mönch William die Kunde entgegen: "Der Teufel ist nicht der Fürst der Materie, der Teufel ist die Anmaßung des Geistes, der Glaube ohne ein Lächeln, die Wahrheit, die niemals vom Zweifel erfaßt wird." Fanatismus müsse, so Eco, von der Toleranz besiegt werden. Bei einem Disput William von Baskervilles mit Jorge von Burgos vertrat letzterer die Meinung, nachdem sich William über eine gezeichnete Bibelszene erfreut hatte, die Menschen mit Tierköpfen darstellte, dass Jesus nicht gelacht habe, da jegliches Lachen Teufelswerk sei. Manche sind, wie wir gesehen haben, auch heute noch der Meinung, aber beileibe nicht alle, doch davon später.

Beruht mithin der Mangel an Humor im Christentum auf einem Mangel an Toleranz oder wehrte die Kirche nur deshalb das Lachen ab, weil in ihm häufig Aggressionen und Kritik mitschwingen und sich das Lachen wie jeder Freudenausbruch der Kontrolle entzieht?

In der griechischen Götterwelt war das Lachen dagegen keineswegs verpönt. Im Gegenteil, die griechischen Götter haben oft gelacht. Man denke an das homerische, das unauslöschliche Lachen, das allerdings mit gütigem Lachen oder Lächeln wenig gemein hatte, vielmehr galt es den Großspurigen und Überheblichen. Zeus soll viel gelacht haben über die Streitereien, Liebesaffären, Kämpfe, mit denen sich die Götter die Ewigkeit vertrieben. "Vor Zeus, dem lachenden Zuschauer, spielt das Menschengeschlecht seine ewige Komödie", schreibt Karl Kerenyi. Seiner Meinung nach steht außer Zweifel, dass "die Idee der lachenden Götter mit ernstlich gemeinter Religion für die Griechen vereinbar war."

Doch im Christentum stieß das Lachen im Laufe der Kirchengeschichte bei Theologen immer wieder auf Kritik und Ablehnung, obwohl theologisch gesehen, behauptet Werner Thiede in seinem Büchlein "Das verheißene Lachen", kein Anlass besteht, den Humorbegriff preiszugeben. "Schmunzeln ist auch eine Gnade, von der leider die Theologen nicht schreiben", notierte sich der von den Nazis inhaftierte und später hingerichtete katholische Priester Max Joseph Metzger 1944 im Gefängnis von Brandenburg. Ebenso beklagte der zum Katholizismus konvertierte englische Schriftsteller Gilbert Keith Chesterton, der in seinen Detektivgeschichten mit dem gewitzten Pater Brown viel christlichen Humor bewies,(falls diese Zusammensetzung gestattet ist), den Mangel an Fröhlichkeit im Christentum.

Auch wenn heute, meint der Theologe Karl-Josef Kuschel, kirchliche Autoritäten oft in vielen Fragen nicht den geringsten Spaß verstünden und unter Christen "mehr gezittert und gezetert als gelacht wird", so gehöre das Lachen zum Menschen und damit in die Kirche. Dass Gottesvertreter immer wieder versucht haben, das Lachen zu verteufeln, wundert Kuschel nicht. Kennt doch das Lachen kein Tabu, keine Rücksicht. Keine Macht der Welt kommt gegen das Lachen an.

Schon Jahrhunderte zuvor hatte sich der Philosoph und Humanist Erasmus von Rotterdam(1469-1536) über die reichlich merkwürdigen religiösen Auffassungen von Leuten gewundert, die eher bereit seien, Christus aufs heftigste anzugreifen, als nur den harmlosesten Scherz gegen den Papst oder einen Fürsten zuzulassen, vor allem wenn es um deren Einkünfte oder Amtsgewalt ging.

Aber kann ein gläubiger Christ überhaupt Humor haben?

Ja und Nein, sagen die Gelehrten."Ja, wenn er keinen absoluten Glauben hat, nein, wenn er einen solchen bergeversetzenden Glauben besitzt. Je gläubiger er wird, desto weniger humorbedürftig sei er, je ungläubiger er wird, desto humorloser werde er." Aus diesem Blickwinkel betrachtet, erscheint der Humor dann als eine Art Vor- oder Ersatzglauben, den Menschen, die richtig glauben, nicht mehr benötigen. Die Schlussfolgerung liegt nahe, je weniger einer glaubt, desto mehr Humor benötigt er. Aber hat er ihn auch immer? Ein Atheist kann genauso fanatisch und humorlos sein wie ein gläubiger Christ. Viele Thesen, die über Lachen und Humor in Bezug auf die Kirche entwickelt wurden, sind recht fragwürdig und müssen hinterfragt werden. Das gilt auch von den folgenden Thesen, die auf der Frage basieren:

Lachen die Heiligen im Himmel?

Ob jene lachen, die nunmehr aller irdischen Mühsal enthoben, als Selige im Himmel oder im Paradies weilen? Auch darüber ist schon viel spekuliert worden. Natürlich lachen die Erlösten und Auferstandenen, sagen die einen, vor lauter Glück, weil sie alles Leid hinter sich gelassen haben. Das sei schwer vorstellbar, meinen die anderen, man könne schließlich nicht ewig darüber lachen, dass der Schmerz vorbei sei. Zudem fehle der Widerstand, an dem sich das Lachen entzündet. Lachen wir somit nur, um der Widrigkeiten des Lebens Herr zu werden, wenn wir also im Grunde nichts zu lachen haben, sozusagen aus purem Galgenhumor? Zielt nicht auch die Ankündigung des kommenden Reiches Gottes auf eine Weltzukunft, in der das Lachen unbeschwert und frei sein kann, weil ihm nicht mehr ein Meer an Grauen, Angst und Tränen gegenübersteht? Ob nicht vielleicht doch im Himmel gelacht wird als Ausdruck endgültiger Überlegenheit?

Das Lachen kann auch ein Bild der Erlösung sein. Der Psalm 126 beispielsweise beschreibt die Erlösung und Befreiung aus dem babylonischen Exil. "Dann wird unser Mund voll Lachens und unsere Zunge voll Rühmens sein."

Also wird sich die Freude der Seligen des Himmels, so Gisbert Kranz, auch körperlich zeigen, in strahlendem, jubelndem Lachen. Freilich wird dieses himmlische Lachen von anderer Qualität sein als das irdische Lachen.

In der Offenbarung des Johannes heißt es "und er wird abwischen alle Tränen von ihren Augen". Man denke auch an das Ostergelächter. An Ostern wird der Tod ausgelacht. (Doch davon später ausführlich.)

Dante beschreibt in seiner göttlichen Komödie, wie er im Paradies das Lachen des Universums hört und meint:"Das Lachen Gottes ruft das Lachen jedes einzelnen Heiligen hervor, und jeder Heilige steckt die anderen mit seinem Lachen an, so dass alle in gemeinsamer Freude innigst vereint sind." In der vollendeten Schöpfung wird es nicht tierisch ernst zugehen. Die Menschen werden dann wirklich erlöst aussehen, weil sie es ganz und gar sind: befreit von aller Entfremdung, befreit zu aller Liebe! Wie immer man den Himmel sich vorstellen mag, jedenfalls wird dort gelacht.

Luther glaubte fest daran, dass im Himmelreich mit Leib und Seele gelacht werde. Darüber hinaus soll er gesagt haben, er wolle nicht in einen Himmel kommen, in dem nicht gelacht werde. In einer Besprechung des Films "Dogma" von Kevin Smith konnte man den Satz lesen: "Katholiken wissen, dass es im Himmel mehr Spaß geben wird als auf Erden"(FAZ v.19.4.00)

Hat Gott Humor?

Selbst die Frage, ob Gott Humor habe und lachen könne, wird hin und wieder gestellt. Max Frisch hat sie in seinem Tagebuch für den Monotheismus verneint. Polytheistisch gesehen hätten die Götter gelacht, vor allem die Götter Griechenlands, immerhin gäbe es einen Gott Risus und ein Fest für ihn. Mancher Christ hält es der Würde Gottes für abträglich, sich ihn humorvoll vorzustellen. Nicht wenige sehen ihn als kleinlichen Buchhalter der Sünden, der dafür sorgt, dass sich jedes böse Wort rächt.

Vom Gott des Alten Testaments hören wir zwar gelegentlich ein Gelächter, doch handelt es sich auf den ersten Blick oft um ein Lachen der Verachtung für die Pläne der törichten Menschen. Diese Vorstellung von Gott als Zuschauer scheint ein adäquates Bild zu sein für die Transzendenz, für die Weltüberlegenheit Gottes, von der in der Bibel der Psalm 2 spricht. "Grimmig", so heißt es dort, "toben Völker und Nationen, Könige und Fürsten gegen den Herrn und seinen Gesalbten, aber der im Himmel thront, lacht, der Herr spottet ihrer."

Überdies zeigt sich Gott in der Bibel ziemlich streng. Als Abraham und Sara, dem hochbetagten Ehepaar, die Geburt eines Sohnes angekündigt wird, lachte Sara und dachte bei sich: "Nun, da ich alt bin, soll ich noch der Liebe pflegen, und mein Herz ist auch alt." Wirklich, die Ankündigung ist nicht ohne Komik. Aber Gott zeigt keine humorvolle Nachsicht, kein Verständnis für die komische Lage Saras, er wird eher aggressiv. Sara aber hatte allen Grund zu lachen. Sie ist die erste, von der uns überliefert ist, dass sie auf die Zumutung, die das Heilige für uns bedeutet, mit Lachen reagierte. Offenbar eine natürliche, eine notwendige Art, sich vom Anspruch des Allmächtigen zu entlasten.(Psalm 2, Psalm 59, Genesis 17,15-21, 18,1-15).

Als das Kind dann auf die Welt kam, nannten Sara und Abraham es Isaak(Jizchak auf Hebräisch: "Er lachte" oder "er wird lachen"), Vielleicht liegt eine biblische Legitimation des Humors darin, dass das Lachen den Namen des zweiten der drei großen Patriarchen der jüdischen Tradition abgibt.

Da sich viele Gläubige Gott als ernsten Mann vorstellen, wurde mitunter als Ausgleich in Anekdoten das Bild des gütigen Humors den Seelsorgern angehängt. Hier einige Beispiele:

"Kommt eine junge Dame zur Beichte und flüstert:'Ich habe die Sünde der Eitelkeit begangen, weil ich immer, wenn ich in den Spiegel schaue, denke, wie schön ich bin.' Darauf antwortet der Beichtvater:'Das ist keine Sünde, mein Kind, sondern ein Irrtum.'"

"Als Pastor Berkholz in Riga eingeladen wurde, an einer Segelpartie teilzunehmen, lehnte er ab. Und als man ihn mit Bedauern nach seinen Beweggründen fragte, meinte er:"Ach, wissen Sie, so im Segelboot - da ist man doch allzusehr in Gottes Hand."

"Ein in Gedanken versunkener Geistlicher will bei Rot über die Straße gehen. Da wird er von einem Schutzmann am Ärmel wieder zurückgezogen mit der Bemerkung, ob er es denn so eilig habe, zu seinem Brötchengeber zu kommen."

Es gibt sogar einen Heiligen des Humors(FAZ v.21.7.00 "Der Clown Gottes" von Heribert Klein), Philipp Neri, genannt Pippo. Er lebte in der Zeit zwischen 1515 und 1595 und war sehr volkstümlich. Die Leute nannten ihn einen "komischen Heiligen". Das störte ihn nicht, im Gegenteil. Er ruhte in sich, selbstsicher. "Sein Herz strahlte eine so starke Hitze aus, dass man mitten im Winter die Fenster weit öffnen musste", heißt es. Sein echter Nachfahre ist Pfarrer Ernst Heller. Er wurde 1947 in der Schweiz geboren. Von Natur aus lebenslustig, sieht er seine Aufgabe darin, die "Frohe Botschaft" zu verkünden. Er ist ein echter Neri-Jünger und nennt sich "Circus-, Markt- und Schaustellerseelsorger" oder auch "Clown Gottes". Das ist in unserer Zeit etwas Ungewöhnliches, in der die Kirchen immer mehr Besucher verlieren, die Zahl der Priester in erschreckendem Maße zurückgeht und ein gebrechlicher Papst mehr das Bild einer leidenden als einer fröhlich fortschreitenden Kirche vermittelt. Dieser Clown Gottes scheint vor nichts zurückzuschrecken. Seine Stola trägt nicht Symbole der paradiesischen Endzeit, sondern Bilder aus der Clown- und Zirkuswelt. Dazu passt eine kleine Anekdote, häufig sieht er den Heiligen Vater in Rom. Einmal sagte ihm der Luzerner Pfarrherr, es gebe zu wenig Priester, doch hervorragende Laien, engagierte Frauen und Männer. Ob der Papst nicht doch das Zölibat aufheben könne? Der Papst schlug ihm vor, intensiv zu beten, damit sich die Lage ändere. Darauf antwortete Heller:"Sie, Heiliger Vater, müssen aber handeln." In diesem Zusammenhang ein Zitat von John B.Priestley. Dieser rät:" Man soll die Wahrheit heiter sagen, denn dem Clown hört man lieber zu als dem Prediger."

Aber nochmals zurück zur Frage, ob Gott Humor habe.Die Überzeugung, Gott sei humorlos, taucht zum Beispiel in Goethes Faust auf. "Mein Pathos brächte dich gewiß zum Lachen, hätt'st du dir nicht das Lachen abgewöhnt", sagt Mephisto zum Herrn der Schöpfung. Jedoch läßt Goethe Gott auch sagen, "von allen Geistern, die verneinen, ist mir der Schalk am wenigsten verhaßt." Anders sah es dagegen Luther. Für ihn war der Satan ein Geist der Traurigkeit und Gott der Geist der Freude.

Eike Christian Hirsch macht folgende Rechnung auf. Da im allgemeinen der Humor eine erstrebens- und lobenswerte Eigenschaft sei und keiner als humorlos gelten möchte und andererseits Gott ein vollkommenes Wesen ist und die Vorstellung von einem humorlosen Gott die Idee von einem Schöpfer verkleinert, müsse Gott auch Humor haben. Auf jeden Fall, so folgert Hirsch messerscharf, verstehe Gott Spaß genug, um uns zu erlauben, ihm Humor zuzuschreiben. Ob solche theologische Spitzfindigkeit auch jene überzeugt, die Gott in ihrer Jugend in erster Linie als Richter und Rächer kennengelernt haben und ihr Leben lang unter diesem Gottesbild gelitten haben, ist allerdings fraglich. Andererseits ist am diesem verqueren Gottesbild nicht Gott schuld, sondern dafür tragen bigotte Erzieher und Geistliche die Verantwortung.

Tucholsky wiederum hielt den lieben Gott, an den er angeblich nicht glaubte, für einen Humoristen. Was Gott als gute Eigenschaft geschaffen hat, müsse er selbst im Übermaß besitzen, lautete Tucholskys spekulative Schlussfolgerung.

Auch der Schweizer Dichterpfarrer Kurt Marti hat sich mit diesem Thema beschäftigt und gemeint. Als "die gesellige Gottheit" die Erde schuf, lachte sie und sagte: "So sei es". Marti hat weiter darüber nachgegrübelt, ob Gott wie die Götter in der Antike, ein lachender Zuschauer sei. Das göttliche Lachen lasse wohl, so Marti, kollektiven oder individuellen Größenwahn leerlaufen, doch könne man schwerlich annehmen, dass Gott auch dann lache und spotte, wenn Menschen gequält werden und leiden. Ein Gott, der sich so verhält, wäre ein Teufel. Ist Gott also ein lachender Zuschauer? Der Gott Israels ist das Gegenteil eines lachenden Zuschauers. Er mischt sich ein, laut Marti, weint und lacht mit uns. Erst der Schmerz Gottes mache das Lachen Gottes erträglich und glaubhaft. Ein Lachen Gottes, dessen Hintergrund nicht Schmerz oder Solidarität ist, wäre ein böses Lachen so wie auch menschliches Lachen, in dem keine Solidarität, keine Anteilnahme mitschwingt, alles andere als fröhlich ist. (Es gibt demnach ein unterschiedliches Lachen, man lacht aus verschiedenen Gründen, Lachen und Lachen ist nicht immer dasselbe. Diesem Geheimnis, dass Fröhlichkeit dem Ernst, Lachen dem Schmerz viel näher ist als eine oberflächliche Betrachtungsweise annimmt, kam Gabriele Wohmann auf die Spur mit ihrem Satz: "Ich bin um so viel ernster geworden, dass ich mich für fähig halte, fröhlich zu sein.")

Ulrich Beer ist der Ansicht, dass der Mensch Gott sicher oft zum Lachen gereizt habe, wenn er auf ihn und seine Werke schaute. In Psalm 2,4 heißt es: "Doch er, der im Himmel thront, lacht." Er lacht, erläutert Beer, über uns, die wir uns an Kleinigkeiten klammern. Humor habe nichts mit läppischer Lustigkeit zu tun. Humor hat eine Tiefendimension, die gar nicht weit von den Abgründen des Lebens entfernt ist. Jean Paul wiederum vergleicht den Humor mit der Theologie: "Wenn der Mensch ..von der überirdischen Welt auf die irdische herunterschaut, so zieht diese klein und eitel dahin; wenn er mit der kleinen, wie der Humor tut, die unendliche ausmisst und verknüpft, so entsteht jenes Lachen, worin auch ein Schmerz und eine Größe ist."

Wie oft und in welcher Bedeutung kommt das Lachen in der Bibel vor?

Die Suche nach dem komischen Lachen in der Bibel kommt nur um den Preis sehr mühseliger Interpretationskünste ans Ziel. Die Komik sei hier bestenfalls impliziert, findet Peter L.Berger. Es kann aber auch sein, dass wir die Elemente des Komischen oder Humorigen nicht mehr so stark empfinden, weil uns die Texte zu geläufig sind und die Worte zu abgeschliffen dünken.

Die Hörer Jesu haben sicher über manche Wendung geschmunzelt, etwa über den "Balken im eigenen Auge" oder "das Kamel, das nicht durch ein Nadelöhr geht." Oder wenn Jesus zu Phärisäern, die für ihren Gesetzesgehorsam bekannt waren, spricht "..die ihr Mücken aussiebt, aber Kamele verschluckt." Ulrich Beer meint, dass die komischen Gebilde, die dem Schöpfer unterlaufen seien, die Giraffe, das Warzenschwein und der Nasenbär, sicher auch den ein oder anderen zum Lachen gereizt haben.

Sogar die Lebensweisheit des Sprüchebuchs hat manchmal komische Züge. Beispiel: Wer vorübergeht und sich mengt in fremden Streit, der ist wie einer, der den Hund bei den Ohren zwackt (Sprüche 26,17). Aber wir dürfen nicht vergessen: Die Bibel ist weder ein finsteres noch ein heiteres Buch, sondern eine gewaltige Synthese der Darstellung von Heil und Unheil, Sünde und Gnade, Verlorenheit und Erlösung, Göttlichen und Menschlichem, ja auch Erhabenem und Lächerlichem, aber sie ist kein Buch des Humors.

Im biblischen Sprachgebrauch soll der Begriff des Lachens nur etwa zwanzigmal vorkommen. Häufiger ist von Freude, Fröhlichkeit, Jubel und Glücklichpreisungen die Rede, die sich indirekt auch auf Lachen und Humor beziehen. In der Bibel selbst ist daher trotz mancher unterhaltsamer Geschichten vom Lachen höchst selten die Rede, und wenn, dann verbergen sich hinter dem Lachen nicht selten entweder Traurigkeit und Depression - "Auch beim Lachen kann das Herz trauern" (Sprüche 14) - oder Hohn und Spott über Heiden, Gottlose, murrende Völker, Könige und Herren: "Dann will ich auch lachen bei eurem Unglück und euer spotten, wenn da kommt, was ihr fürchtet" (Salomon 1, 26). Die Beschreibung altorientalischer Devotionalienfabrikanten, die anschließend vor ihrem Produkt niederfallen, während sie die Späne zum Feuermachen verwenden (Jesaja 44,9 ff)zeugt ebenfalls von mildem Spott. Lachen wird mitunter mit Drohungen in Verbindung gebracht: "Wehe denen, die da lachen. Denn sie werden weinen und heulen".- "Jammert und klagt und weint, euer Lachen verkehre sich in Weinen und eure Freude in Traurigkeit.(Lukas 6,25). Dagegen ist: "Wohl dem, der nicht im Kreis der Spötter sitzt"(Psalm 1) ein ausgesprochener moralinsaurer Vers.

Die Propheten kennen, im Gegensatz etwa zu den Moralpredigern und Philosophen im alten Athen, den Witz ebensowenig wie der Pentateuch. Sie lehnen ihn sogar in schärfster Form ab und verurteilen den Spötter. Diese Haltung ist verständlich. Ist doch der Witz die seelische Waffe immer nur jenes Menschen, der den realen Kampf für aussichtslos hält und aufgegeben hat, der sich letztlich, wenn auch mit innerem Protest, abfinden wird. Die Propheten finden sich nicht ab. Sie fürchten weder die Folgen der Tat, noch die direkten offenen Aussagen. Sie scheuten weder Tod noch Martyrium.

Lachen gehört zur jüdischen Tradition

Vielleicht ist in der Bibel wohl auch deshalb nicht immer ausdrücklich vom Lachen die Rede, weil dieses unter Juden selbstverständlich war. Aber wenn man in der Bibel nach dem Lachen richtig sucht, wird man auch fündig, zum Beispiel in der Geschichte der beiden hebräischen Hebammen Siphra und Pua, die den Befehl des Pharao, alle neugeborenen Hebräerbüblein sofort zu töten, nicht ausführen und deswegen zur Rede gestellt, wacker und pfiffig fabulieren:"Die hebräischen Frauen sind halt nicht wie die ägyptischen, sondern naturwüchsiger, ehe die Hebamme zu ihnen kommt, haben sie schon geboren."(Moses 1,15-22) Vor dem Hintergrund des Schmerzes um das bittere Sklavenlos der Hebräer signalisiert der mutige Hebammenstreich Rettung, Zukunft, Lachen.

Martin Buber hat in seinen chassidischen Erzählungen viele Beispiele jüdischen Humors gegeben. Damit schließt er an eine religiöse Tradition an. Wenn man die Aggada, den erzählenden Teil des Talmud näher kennt, dann weiß man, wieviel Humor jüdische Väter in ihrem religiösen Leben und Denken bewiesen haben. Sie nahmen sich die Freiheit, humorvoll auf viele Fragen zu reagieren. So sagte zum Beispiel der Gründer des Chassidismus, Rabbi Israel Baal-Schem-Tov: "Gott will frohe Menschen, der Satan will traurige." Die Traurigkeit zieht herunter, während die Freude erhebt. Daher ruft auch der Psalmist: "Dienet dem Herrn in Freuden." Das Lachen gehört zur jüdischen Tradition. Der Talmud enthält zahlreiche Lach- und Lächeltexte. Er weiß um das Lachen, das lockert, entspannt und den Einstieg in ernste Erörterungen ermöglicht. Überdies hat die jiddische Kultur ein Gefühl für komische Widersprüchlichkeiten ausgebildet, das seinesgleichen sucht. Der Widerspruch klaffte zwischen der grandiosen Bestimmung des jüdischen Volkes, wie sie die Religion lehrte, und den elenden Zuständen, in denen Juden in der wirklichen Welt Osteuropas lebten.

Ben-Chorin hatte mit Buber einen Charakterzug gemeinsam, den Humor. Dieser bedeutete für ihn, nach eigenem Bekunden, eine Lebenskraft, "ohne die ich manches gar nicht durchzuhalten vermöchte", sagte er einmal. "Würde ich alles und mich selbst immer ernst nehmen, dann müsste ich an der Welt und an mir verzweifeln.

Lachen und Erlösung

Aber zurück zum Christentum, in dem Kreuzigung und Auferstehung eine so wichtige Rolle spielen. Man vergegenwärtige sich nur die Bedeutung des schon kurz erwähnten Ostergelächters über den Tod, von dem die Offenbarung Johannes spricht"..und er wird abwischen alle Tränen von ihren Augen". In der mittelalterlichen Kirche gab es eine genaue liturgische Einordnung des Lachens, etwa wenn der Pfarrer am ersten oder zweiten Osterfeiertag von der Kanzel aus eine so fröhliche Geschichte erzählte, dass sich der risus paschalis, das laute Osterlachen, in der Gemeinde erhob. Damit wurde die Trauer der Passionszeit vertrieben und der Sieg über die Hölle gefeiert. So richtete der Fastenprediger der Klosterkirche zu Marchtal/Donau am Ostersonntag 1506 an die in der Kirche versammelten Männer die Bitte: Wer von ihnen Herr im Hause sei, sollte den Ostergesang 'Christ ist erstanden' anstimmen. Die Kirche blieb still. Daraufhin rief er den Frauen die gleiche Bitte zu, und prompt erscholl der Hymnus aus den Kehlen fast aller anwesenden Frauen. Bei dem darauf folgenden Lachen wird die Schadenfreude nicht gefehlt haben. Vom 17.Jahrhundert an wurden die humoristischen Einlagen immer seltener - in Bayern soll sich der Brauch jedoch bis in die Neuzeit gehalten haben, bis ein Regensburger Erlass von 1853 "Fabeln, gereimte Dichtungen, Obskures aus den Predigten", aus der Kirche einfürallemal verbannte.

Das Lachen als Bild der Erlösung wird auch im Psalm 126 beschrieben, es geht um die Befreiung aus der babylonischen Gefangenschaft. "Als der Herr das Los der Gefangenschaft Zions wendete, da waren wir alle wie Träumende. Da war unser Mund voll Lachen und unsere Zunge voll Jubel."

Das Lachen Gottes und das Lachen der Erlösten fallen mitunter zusammen. Ein niederländischer Pfarrer, den Hertog, hielt Ostern 1944 im KZ Dachau eine Predigt zu dem Thema: "Und Gott lacht". Darin beschreibt er mutig das Lachen Gottes über seine Feinde, über die grauenhafte Welt, über Tod und Todesschrecken, über Verzagtheit und Verstocktheit. Triumph bricht auch in dem Worte Jesu aus: "Selig seid ihr, die ihr weinet, denn ihr werdet lachen!" So hat, meint Ulrich Beer auch das Lachen eine eschatologische Perspektive. Wer zuletzt lacht, lacht am besten oder: In der Welt habt Ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.

Hat Jesus gelacht?

Von einem lachenden Jesu wird im neuen Testament nicht berichtet, aber denkbar sei, meint nicht nur Kurt Marti, "dass Jesus, der so oft mit allen möglichen und unmöglichen Leuten zusammen getafelt und ihnen viele Liter Wein spendiert hat und von Zuschauern deswegen als Schlemmer und Zecher, als Kumpan der Zöllner und Sünder gescholten worden ist", auch herzlich gelacht und nicht griesgrämig irgendwo in einer Ecke gesessen habe. Auf jeden Fall gehört Lachen zum endzeitlichen Gastmahl messianischer Erfüllung. Würde man übrigens Jesus das Lachen absprechen, dann müsste man auch seinen jüdischen Urgrund leugnen, da, wie wir uns in Erinnerung gerufen haben, in der jüdischen Tradition das Lachen und Lächeln fest verankert sind.

Entscheidend ist freilich, dass Jesus denjenigen, die in einer Welt und unter Umständen leben müssen, wo es wenig zu lachen gibt, einen Grund zum Lachen gibt. "Wer einen Menschen zum Lachen bringt, tut ein gutes Werk", sagt ein koreanisches Sprichwort. Was waren Jesu Heilungen zudem anders als Wunder, die einzelnen Menschen, denen das Lachen vergangen war, das Lachen und der Frohsinn zurückgegeben haben? Jesus war sicher auf eine leidenschaftliche Weise frohgemut. Weil er das Leben liebte, hat er für das Leben agiert, gestritten, gelitten bis zum bitteren Ende. Otto Betz meint, dass die Wirkung von Jesus nur so zu erklären sei, "dass er Heiterkeit und Gelassenheit ausstrahlte, dass er nicht nur von Freude sprach, sondern Freude stiftete..Ich kann mir nur vorstellen, dass Jesu die Menschen auch angelacht hat, dass er sie mitriss in eine Atmosphäre des Vertrauens." Auch Dorothee Sölle weist in diese Richtung, wenn sie sagt:"Ich halte Jesus von Nazareth für den glücklichsten Menschen, der je gelebt hat."

"Und wo ist dies Lachen Gottes, das Lachen Jesu hingekommen?" fragt Marti ferner und antwortet: "Es lebt dort, wo Menschen im gemeinsamen Kampf, im gemeinsamen Leiden miteinander solidarisch geworden sind. Erstorben ist es in der Kirche überall da, wo eine Zuschauerposition abseits bezogen worden ist. Hier entsteht keine Solidarität, darum auch kein Lachen mehr." Schmerz und Lachen seien Zwillingskinder der Liebe Gottes. "Es gibt lachende Wahrheiten über Verhältnisse und Vorgänge", merkt Marti an, "die zum Heulen sind". Lachend holten wir gleichsam Luft, um im Elend besser standhalten zu können. Da dies jedoch nicht so leicht sei, sollten wir beten: "Gib uns heute unser tägliches Lachen." Er selbst habe festgestellt, dass er an einigen Tagen kein einziges Mal gelacht habe. Dies seien Tage, "die absolut unerleuchtet und gottfern sind."

Auch Peter Bloch, Gemeindepfarrer in Emmendingen und Verfasser des Buches "Der fröhliche Jesus", hat sich die Frage gestellt, ob Jesus Humor gehabt habe und fragt weiter: "Kann denn einer die "Frohe Botschaft" verkünden, der selbst nicht von Freude und Fröhlichkeit erfüllt ist? Dass wir Jesus so nicht kennen, liegt für Bloch daran, dass die Kirche häufig einem Jesusbild folgt, das weitgehend von menschlichen Zügen, zu denen auch der Humor gehört, "gereinigt" worden ist.

Wir halten oder hielten es die Christen selbst mit dem Lachen und dem Humor? War Luther ein fröhlicher Mensch?

Hatte Luther Humor? Über die Juden goß er Hohn und Spott aus, voller Ironie war er gegenüber seinen Widersachern. Aber er besaß auch einen ausgeprägten Sinn für Humor, der vor allem in seinem Briefwechsel und in seinen Tischgesprächen zum Ausdruck kommt. Als er gefragt wurde, was Gott in der Ewigkeit vor der Erschaffung der Welt getan habe, gab er zur Antwort, Gott habe im Busch gesessen und Ruten geschnitten für die, welche solch törichte Fragen stellen. Als seine Tochter Magdalene starb, sagte er: "Ich bin fröhlich im Geist, aber nach dem Fleisch bin ich sehr traurig." In den letzten Tagen seines Lebens soll er trotz der Vorahnung seines Todes noch fröhlich gewesen sein. "Gott will", sagte Luther einmal, "dass wir fröhlich sind."

Hat Calvin je gelacht? Er galt als ein überaus ernster Reformator. Doch ist von ihm der Satz überliefert:"Status mundim in laetitia Dei fundatus est." Die Beschaffenheit der Welt ist in der Freude Gottes gegründet. Ihm und seiner Schaffenslust dankt die Welt ihr Leben, dankt sich unsere Lebensfreude und auch, dass wir etwas zum Lachen haben.

Wie ist es indessen mit dem Humor im Pietismus bestellt? Der Pietismus war beseelt vom Wunsch nach vertiefter Frömmigkeit und gelebter Gemeinschaft. Beides war oft verbunden mit starrem Biblizismus und unfroher Gesetzlichkeit. Der Pietismus in Deutschland betonte das Bekehrungserlebnis und als dessen vorzeigbare Konsequenz den Verzicht auf weltliche Freuden. Einer ähnlich strengen Haltung befleißigten sich auch die Trappisten und Jansenisten in Frankreich.

Sind die Fröhlichkeit, das Lachen und der Humor eher in der katholischen Kirche zu Hause als in der evangelischen, in der alles ein wenig streng und ernst zugeht? Ein Ereignis im christlichen-katholischen Kirchenjahr ist der Karneval. Das alte Köln besaß sogar ein sogenanntes Jeckenbändchen, das Gecken-Berndchen, einen Lustigmacher, der selbst bei kirchlichen Feiern, Aufzügen und Prozessionen nicht fehlen durfte und dabei eine bedeutsame Position innehatte.

Der schwerblütige Reinhold Schneider sah im Humor "die einzige Möglichkeit, den Menschen mehr und mehr zu lieben und die Menschenfreundlichkeit Gottes ahnend zu verstehen."

Allerdings taucht der Humor nur in seinen autobiographischen Schriften auf. Immerhin stammt von Schneider auch der Ausspruch:"Ich bin nicht lebensmüde; aber es reicht; ich stelle keine Ansprüche mehr; ich habe genug gesehen für mein Billett. Ich bekomme ein schlechtes Gewissen; so viel habe ich gar nicht bezahlt. Auch braucht man das Stück nicht abzusitzen. Ich gehe gern in der Pause."

Viele Theologen verteidigen den Humor in der Kirche

"Gott aber lachte", unter diesem Titel hielt Mario von Galli seine erste Predigt 1935 im Dritten Reich. Schließlich habe Jesus, betont von Galli in seinen Erinnerungen, nicht eine Drohbotschaft verkündet, sondern "die Frohbotschaft" schlechthin. Dass Gott die Freude will, kann als die Grunderfahrung des Lebens von Mario von Galli bezeichnet werden: eine Botschaft, die oft vergessen scheint.

"Lacht!", forderte der Jesuitenpater Karl Rahner seine Gemeinde auf, "denn dieses Lachen ist ein Bekenntnis, dass Ihr Menschen seid." In den Kreisen um Karl Rahner, aber auch um andere gebildete Jesuiten, Dominikaner, Professoren der Theologie an Universitäten und in Priesterseminaren wurde der Witz gepflegt, ja kultiviert.

Bekanntlich haben auch Rudolf Bultmann, Karl Barth und Helmut Thielicke in und mit ihren Predigten und Büchern für eine positive Einstellung des Christentums zum Humor geworben. Christlich sei der Humor dann, so Bultmann, wenn die heitere Distanz zur Welt nicht bloße Resignation ist, sondern das Bewusstsein der Freiheit, das aus der Erfahrung des Scheiterns erwachsen ist, aus der Erfahrung, dass in einem solchen Scheitern der Mensch erst wirklich zu sich selbst gebracht und zur Liebe befreit wird, in der sein Tun und Treiben wirklichen Ernst gewinnt.

Karl Barth schreibt drei Wochen vor seinem Tod:" Ein Christ treibt dann gute Theologie, wenn er im Grunde immer fröhlich, ja mit Humor bei seiner Sache ist. Nur keine verdrießlichen Theologen! Nur keine langweiligen Theologen!"

Helmut Thielicke stellte ebenfalls eine intime Beziehung zwischen Humor und Glauben fest. In seinen Predigten und Schriften bewies Thielicke immer wieder seinen Sinn für Humor. Er meinte, dass im Humor der Mensch seinem eigentlichen Wesen begegnet, dass er sich so in ihm gebärdet, wie er im Entwurf des Schöpfers gemeint ist.."der gelöste, aber noch nicht oder nicht mehr in den Netzen des Sündenfalls verstrickte und mannigfach gebundene Mensch."

Hier noch einige Zitate bekannter Persönlichkeiten, die für Humor in der Kirche werben:

Lützeler:Der Humor ist ein lächelndes JA zur Umwelt. Er weiß um die Brüchigkeit des Menschen, der so selten das von ihm oder von seinem eigenen Gewissen vorgehaltene Hochbild erreicht, und verrät in seinem Gefühl der Kreatürlichkeit wohl einen christlichen Urgrund, wie er in seinem Ja zur Kreatürlichkeit wohl eine Abart christlicher Güte ist. Vielleicht hängt der ausgesprochene Sinn der Geistlichkeit für Humor damit zusammen.

Korte:Es gibt genug zu lachen im Christenleben, vom Anfang bis zum glücklichen Ende für den, der an die Verheißung des Herrn glaubt:Ihr werdet lachen.

Bischof Kelley: Humor ist kein Hindernis für Heiligkeit. Wenn du sonst nichts zum Lachen finden kannst, so hast du doch immer noch dich selbst. Dem Nächsten mit Lachen die Wahrheit sagen, ist allemal besser, als ihn mit der Wahrheit zu erschlagen. Humor hat viel mit Liebe und Güte zu tun. Wer die Freudenbotschaft ernst nimmt, hat Grund zu lachen.

Lessing hat es verstanden, Humor in die Theologie zu bringen, wie folgendes Zitat aus einem Brief an den glaubensstarken Hauptpastor Johann Melchior Goeze beweist:"..darf ein Prediger Komödien machen? Hierauf antworte ich, warum nicht? Wenn er kann. Die zweite: Darf ein Komödiant Predigten machen? Und darauf meine Antwort: Warum nicht? Wenn er will."

Der Humor ist sicher nicht die schlechteste Art, mit den Unzulänglichkeiten der Schöpfung fertigzuwerden.

Der katholische Denker Theodor Haecker(1879-1945) stellte fest, der Humor sei ein "natürlicher Ausdruck des Menschen gegenüber der unendlichen Macht, die ihn ershaffen hat, in deren unentrinnbaren Händen er ist." Der Mensch braucht Humor, um Gott ertagen zu können, der Humor ist eine momentane Loslösung aus der von Schleiermacher konstatierten "schlechthinnigen Abhängigkeit" des Menschen von Gott.

Paul Claudel: Wer das Ganze überblickt, der kann es sich gestatten, das Krause, Verkehrte und Schiefe in dieser Welt mit gelassenem Humor zu betrachten und gelegentlich darüber herzhaft zu lachen." "Freude und Wahrheit, das ist ein und dasselbe. Wo die größte Freude herrscht, dort ist auch am meisten Wahrheit zu finden."

Für Friedrich Dürrenmatt barg die Begegnung zwischen Gott und Mensch eine Fülle von Missverständnissen, "darin liegt eine Menge herrlichster Komik."

Der Humorist akzeptiert den Bruch in der Schöpfung, zumindest weiß er, dass er ihn nicht kitten kann. Ephraim Kishon kam zu dem pessimistischen Schluss, in der allerdings von der Frohen Botschaft wenig zu spüren ist: "Vielleicht kann man überhaupt nur als Satiriker überleben. Das Leben ist von Grund auf absurd. Schon in der Bibel steht auf der zweiten Seite geschrieben, dass der Mensch schlecht sei von Geburt an. Ich weiß nicht, warum der liebe Gott, das schon auf der zweiten Seite vermerkt hat, aber jedenfalls sind die Menschen unglaublich schwache Geschöpfe. Jeder lügt, stiehlt und betrügt, wenn er glaubt, dass er nicht erwischt wird."

Ohne das Böse gäbe es wahrscheinlich keinen Humor, denn in einer vollkommenen Welt gäbe es keine menschlichen Schwächen und kein Widrigkeiten der Natur. Wir hätten, wäre diese Schöpfung nicht eine gefallene Schöpfung, nichts zu lachen. Nietzsche meinte sogar, der Mensch musste das Lachen erfinden, denn er ist das unglücklichste und melancholischste Tier. Fritz Blanke: Im Humor sind Nachklänge des Paradieses geblieben. Er ist ein Überrest der ursprünglichen Gottesebenbildlichkeit der menschlichen Seele. Dietrich Bonhoeffer schrieb aus dem Gefängnis, dass Humor den christlichen Glauben in der Not stärke. Alfred Delp, ein katholischer Priester, der ebenfalls von den Nazis hingerichtet wurde, machte auf dem Weg zur Hinrichtung in der besten Tradition des christlichen Martyriums einen Scherz: Er fragte den ihn begleitenden Pfarrer nach den letzten Neuigkeiten von der Front und sagte dann:"In einer halben Stunde weiß ich mehr als Sie."

Für den amerikanischen Theologen Reinhold Niebuhr ergab sich die intime Beziehung zwischen Humor und Glaube aus der Tatsache, dass sich beide mit der Widersprüchlichkeit unserer Existenz befassen. Otto Betz:Wer etwas vom Evangelium begriffen hat, dem dürfte eigentlich das Lachen nicht schwerfallen. Uns ist Heil verheißen, Vergebung geschenkt, Freude angekündigt, warum sollen wir da Trübsal blasen? Der Humor ist ein Ausdruck geistiger Reife. Ein Glaube, der keinen Humor zuläßt, weckt Misstrauen. Sigismund von Radecki: "Lachen ist verkappte Religiosität. Lachen ist unser Glück. Lachen überbrückt unsere Gegensätze und ist Symbol dafür, dass es hoch über uns einen Punkt gibt, wo diese Gegensätze aufgehoben sind. Wir können nur darum lachen, weil wir etwas wissen, über das es nichts mehr zu lachen gibt." Die Erfahrung des Komischen ist ein Versprechen von Erlösung. Ein versöhnliches, tolerantes, ausgleichendes Lachen tendiert zu Heiterkeit und Jubel aus tiefer Lebensfreude, die den Glauben beflügelt, liest man im "Wörterbuch des Christentums".

Lothar E.Zeidler:Im modernen Zeitalter brisanter technischer Entwicklungen mit all seinem Fluch- und Segenspotential sollte dem Lachen ein hoher Stellenwert eingeräumt werden, nicht aus Blindheit vor der Apokalypse, sondern aus unauslöschlichem Optimismus, wodurch sich das Lachen christlich als Chiffre der Hoffnung auszeichnet.

Beer:Fast beschämt können wir uns daran erinnern lassen, dass das Leben von Christen von Freude getragen sein darf, ja auch Humor, Lachen und sogar Lustigkeit haben darin Platz. "Wenn ich an meinen lieben Gott denke, werde ich so lustig, dass ich mich nimmer zu lassen weiß", entgegnete der Komponist Joseph Haydn auf den Vorwurf, seine Messen seien zu heiter.

Peter Berger sieht im Komischen eine Signatur oder ein Signal des Transzendenten. Es besteht eine tiefe Affinität des Komischen zu Religion und Magie. Der Bereich des Komischen ist weit gefächert, vom heilenden Wahnsinn bis zur diskreten Ironie. Es hat eine Nähe zur religiösen Sphäre.

Vielleicht wäre die Kirchen- und Weltgeschichte anders verlaufen, wenn man dem Lachen und dem Frohsinn mehr Raum gegeben hätte, gibt Thiede zu bedenken und bezieht sich dabei auf Nietzsches Aussage, dass er das Christentum glaubhafter finden würde, wenn mehr Christen erlöster ausgesehen und mehr Humor bewiesen hätten. Auch Theo Glaser betont."Vom humorlosen Christen geht keine ansteckende Wirkung aus. Sie machen eine schlechte Reklame für ihre Sache."

Theresa von Avila(1515-1582), die einen jüdischen Großvater gehabt haben soll, überwand alle Widerstände mit Humor. Sie besaß die Fähigkeit zu mystischer Versenkung und weltabgewandter Kontemplation, trat aber auch aktiv und resolut im weltlichen Leben auf und war fröhlich und humorvoll. Als sie während eines Klosterbesuchs mit sichtlichem Appetit ihr Leibgericht verspeiste, machte eine Dienstmagd eine abfällige Bemerkung, worauf sie barsch erwiderte:"Merke dir:Wenn Rebhuhn, dann Rebhuhn, wenn Buße, dann Buße."

Meister Eckart (gestorben 1327) hatte ebenfalls eine positive Einstellung zur Freude und zum Lachen, ebenso Katharina von Siena(gestorben 1380) mit ihrer steten Fröhlichkeit trotz ihrer Leiden, sowie Heinrich Seuse (gestorben 1366) mit seiner humorvollen Ader. Als christliche Mystiker vereinten sie schmerzlichen Realitätsbezug mit heiterer Gelassenheit. 1694 schreibt der Jesuitenpfarrer Cavaro offene Briefe an den französischen Theologen Jacques Benigne Bossuet(1627-1704), um die Predigt zu verteidigen, die sich des Humors bedient, während sich Bossuet für eine Predigt aussprach, die auf die Tränendrüse drückt. Don Bosco wiederum war der Überzeugung: Der Teufel hat Angst vor fröhlichen Menschen. Satan fiel, weil er sich zu ernst nahm.

Vor geraumer Zeit forderte Maria Jepsen, die Bischöfin von Hamburg, in einem Interview: "Unsere Kirche, die zuweilen so wirkt, als ob alles nur Last und Mühsal sei - das ist eine Folge protestantischer Strenge -, muss nach meiner festen Überzeugung, auch wieder fröhlicher werden. Befreiendes Lachen ist kein Verstoß gegen Gläubigkeit."

Christliche Kabaretts und Comics im Dienste des Christentums

Tatsächlich ist nicht einzusehen,warum Humor, christliche Liebe und Güte einander ausschließen sollten. Bedingen und bedürfen sie nicht vielmehr einander? "Nur wer über den Dingen steht, kann sie belächeln", läßt Chesterton Pater Brown sagen, und Crescentia von Kaufbeuren war der Meinung: "Einem Menschen, der nichts als Gott sucht und liebt, ist die Fröhlichkeit gleichsam angeboren." Da die Kirche nichts so sehr bedarf wie des Humors, nicht zuletzt auch deshalb, um ihren Kritikern und Häretikern wie Eugen Drewermann, Hans Küng, Uta Ranke-Heinemann und anderen geduldig zuzuhören, seien als Gewährsmänner noch zwei Zeitgenossen zitiert. David Grossman schreibt in seinem großen Roman "Liebe": "Gott offenbart sich dem Menschen nur durch Humor. Der Humor ist der einzige Weg, um Gott und seine Schöpfungen mit all ihren Merkwürdigkeiten und Widersprüchen begreifen und ihm weiterhin mit Freude dienen zu können." "Was Halt verleiht", so Gerhard Staguhn in "Das Lachen Gottes", "sind Glaube, Liebe und Humor." Die tiefe Krise des christlichen Glaubens habe sicherlich auch damit zu tun haben, dass der Humor in ihm keinen Platz habe. Das gleiche gilt nach Meinung Staguhns für die moderne Naturwissenschaft. Möglicherweise verbirgt sich, vermutet er, in der Natur ein humoristisches Wirkungsquantum, das sich mathematischen Berechnungen entzieht und der Garant dafür ist, dass hinter jedem Geheimnis, das der Mensch entschlüsselt und das er für das letzte hält, ein weiteres auftaucht- "begleitet von einem liebenswerten, durchaus nicht höhnischen Gelächter." "Der Mensch denkt, und Gott lacht" heißt es in einem jüdischen Sprichwort. Daran mag etwas Wahres dran sein. Denn vor dem Lachen Gottes werden gewiß alle menschlichen Theorien zunichte.

Aber natürlich braucht auch das Kirchenvolk mitunter Humor, um die Anweisungen und das Tun der Kirchenbehörden zu ertragen. Das gilt auch für katholische Christen, insbesondere für Frauen, die das Amt einer Theologin anstreben und deren Professur dann am Widerstand aus Rom zu scheitern droht. In patriarchalischen Gesellschaften bleiben manchen, die am kürzeren Hebel sitzen, nur noch Humor und verstecktes Auslachen übrig, um auf die Situationen und Verhältnisse, in denen sie gefangen sind, zu reagieren. Dadurch gewinnen diese Menschen eine gewisse Freiheit und eine momentane Überlegenheit. Das geht auch aus Ingeborg Kruses Frauengeschichten aus dem Neuen Testament "Unter dem Schleier ein Lachen" hervor.

Eines indessen haben Juden und Christen fraglos gemeinsam: sie dürfen und können über ihre Religion Witze machen. Sie werden dafür vielleicht gescholten, aber nicht ernstlich bestraft, während ein Salman Rushdie aus eben diesem Grunde jahrelang um sein Leben bangen musste. Daher kann selbst nach dem Motto: "Es darf gelacht werden" die Bibel neu erzählt werden. Das haben beispielsweise Joachim Fernau, Gabriel Laub und Walter Laufenberg getan. Aus ihren Erzählperspektiven erscheint die Heilige Schrift nicht als frommes Erbauungsbuch, sondern eher wie eine Comedie Humaine mit viel Sex und Crime. Manches mag man in ihren Büchern für übertrieben halten. Aber soviel steht fest: Ohne Humor ist das Leben schwer zu ertragen und die Religion nur halb so viel wert.

Spätestens seit Ecos Rose wissen wir, worüber sich die Theologen im Mittelalter den Kopf zerbrachen, zum Beispiel über die Frage, ob Jesus gelacht hat. Die Diskussion kam damals zu keinem Ergebnis und heutzutage hat die Kirche andere Probleme. Zu lachen gibt es allerdings im kirchlichen Bereich noch recht wenig. Damit es anders wird, haben sich an verschiedenen Orten kirchliche Kabarettgruppen gebildet. Sie nennen sich "Das weißblaue Bäffchen", "Die Kreuztreter" oder "Die Schwestern und Brüder Gmbh" und treten auf Kirchentagen und in Gemeinden auf. In Köln gibt es seit einigen Jahren eine Gruppe, die sich "Klüngelbeutel" nennt und inzwischen eine Fan-Gemeinde um sich schart. "Fauler Zauber", so nennt sich ihre Revue. In der Wochenzeitung "Die Zeit" vom 26.November 1993 berichtete Martin Merz darüber: "Auch in der Kirche wächst der Bedarf an Satire", schrieb er, "christliches Kabarett übertrumpft das Kanzelwort - jedenfalls nach Zuhörerzahlen.

Tatsächlich ist nicht einzusehen, warum Humor, christliche Liebe und Güte einander ausschließen sollten. Das sagten sich vor einigen Jahren auch andere junge Leute auf dem Stuttgarter Kirchentag und gründeten christliche Kabaretts, die sich allesamt ausdrücklich als Sympathieträger Gottes und der Kirche verstehen. Und das gut so, denn "gegen die Kirche und das Christentum zu sein, bringt heute ungemein schnelle, hämisch schrille Lacher", sagte Hans Dieter Hüsch, der Kabarettist vom Niederrhein. Die christlichen Kabaretts jedoch weben mit subtilem Humor für die Kirche und ihre Botschaft. Der Erfolg hat ihnen Recht gegeben und bestärkt sie weiterhin. Denn im Frühjahr 2000 fand in Babenhausen sogar ein Kirchen-Kabarett-Festival statt - mit den "Klatschweibern"aus Dortmund,dem"Klerikalen-Kabarett-Kommando" aus Witten, den "Nebenwirkungen" aus Koblenz, dem "Kabarettungsdienst" aus Wuppertal, den "Avantgardinen" aus Nürnberg. Gastgeber war das "Erste Allgemeine Babenhäuser Pfarrer-Kabarett." Wer's nicht glaubt, schaue im Internet nach - unter"www.geocities.com/ pfarrerkabarett" wird er fündig.

Nicht nur Kabaretts, auch Comics mit biblischen Themen werden neuerdings mehr und mehr in den Dienst der christlichen Verkündigung gestellt. Mit Spaß und Humor sollen sie die kirchliche Öffentlichkeitsarbeit beleben und in heiterer Form skeptischen Zeitgenossen die biblische Botschaft erschließen. Comic-Bearbeitung der Bibel gab es erstmals Anfang der vierziger Jahre in den USA. In ihnen werden gezielt biblische Themen aufgegriffen. In Frankreich erschien 1977 eine Comic-Bibel, die ebenfalls biblisches Gedankengut in Comic-Form präsentiert, um den Comic-Leser für die Perspektive des von Gott geschaffenen Heils zu gewinnen. Viele Bereiche der kirchlichen Öffentlichkeitsarbeit könnten durch Comics durchaus eine Belebung erfahren. Spaß und Humor, die die wesentlichen Elemente von Comics sind, sollten auch mit der Kommunikationsarbeit der Kirche vereinbar sein.

Auswahlbibliographie:

Über dieses Thema schrieb ich für "Lutherische Montshefte" unter der Überschrift:

"Humor in der Kirche

Ein Mildbruder des Glaubens. Christen ohne Humor geraten leicht in Bigotterie".

Veröffentlicht wurde der Artikel im Juli 1993, Heft 7.

Ferner gab die "Vereinigung Evangelischer Berufstätiger Frauen e.V.Wuppteral" 2004 ein Heft unter dem Titel "Lachen + Humor" heraus, in dem mein Aufsatz aus dem Internet in voller Länge abgedruckt wurde.

Einen kürzeren Artikel zu diesem Thema von mir veröffentlichte

"Die Nordelbische. Wochenzeitung für Gemeinde & Gesellschaft".in Nr.18

am 4.Mai 2008.

Außerdem nahm ich am 20.Februar 2004 an einer von der Evang.Erwachsenenbildung Karlsruhe und Durlach ausgerichteten Verstaltung teil, die unter der Überschrift "Fast Nachtcafé... und Jesus lachte. Wo bei Christen die Lebensfreude sitzt" stattfand und zwar mit Talk und Live-Musik.


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