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Christliche Kabaretts und Comics im Dienste des Christentums

Tatsächlich ist nicht einzusehen,warum Humor, christliche Liebe und Güte einander ausschließen sollten. Bedingen und bedürfen sie nicht vielmehr einander? "Nur wer über den Dingen steht, kann sie belächeln", läßt Chesterton Pater Brown sagen, und Crescentia von Kaufbeuren war der Meinung: "Einem Menschen, der nichts als Gott sucht und liebt, ist die Fröhlichkeit gleichsam angeboren." Da die Kirche nichts so sehr bedarf wie des Humors, nicht zuletzt auch deshalb, um ihren Kritikern und Häretikern wie Eugen Drewermann, Hans Küng, Uta Ranke-Heinemann und anderen geduldig zuzuhören, seien als Gewährsmänner noch zwei Zeitgenossen zitiert. David Grossman schreibt in seinem großen Roman "Liebe": "Gott offenbart sich dem Menschen nur durch Humor. Der Humor ist der einzige Weg, um Gott und seine Schöpfungen mit all ihren Merkwürdigkeiten und Widersprüchen begreifen und ihm weiterhin mit Freude dienen zu können." "Was Halt verleiht", so Gerhard Staguhn in "Das Lachen Gottes", "sind Glaube, Liebe und Humor." Die tiefe Krise des christlichen Glaubens habe sicherlich auch damit zu tun haben, dass der Humor in ihm keinen Platz habe. Das gleiche gilt nach Meinung Staguhns für die moderne Naturwissenschaft. Möglicherweise verbirgt sich, vermutet er, in der Natur ein humoristisches Wirkungsquantum, das sich mathematischen Berechnungen entzieht und der Garant dafür ist, dass hinter jedem Geheimnis, das der Mensch entschlüsselt und das er für das letzte hält, ein weiteres auftaucht- "begleitet von einem liebenswerten, durchaus nicht höhnischen Gelächter." "Der Mensch denkt, und Gott lacht" heißt es in einem jüdischen Sprichwort. Daran mag etwas Wahres dran sein. Denn vor dem Lachen Gottes werden gewiß alle menschlichen Theorien zunichte.

Aber natürlich braucht auch das Kirchenvolk mitunter Humor, um die Anweisungen und das Tun der Kirchenbehörden zu ertragen. Das gilt auch für katholische Christen, insbesondere für Frauen, die das Amt einer Theologin anstreben und deren Professur dann am Widerstand aus Rom zu scheitern droht. In patriarchalischen Gesellschaften bleiben manchen, die am kürzeren Hebel sitzen, nur noch Humor und verstecktes Auslachen übrig, um auf die Situationen und Verhältnisse, in denen sie gefangen sind, zu reagieren. Dadurch gewinnen diese Menschen eine gewisse Freiheit und eine momentane Überlegenheit. Das geht auch aus Ingeborg Kruses Frauengeschichten aus dem Neuen Testament "Unter dem Schleier ein Lachen" hervor.

Eines indessen haben Juden und Christen fraglos gemeinsam: sie dürfen und können über ihre Religion Witze machen. Sie werden dafür vielleicht gescholten, aber nicht ernstlich bestraft, während ein Salman Rushdie aus eben diesem Grunde jahrelang um sein Leben bangen musste. Daher kann selbst nach dem Motto: "Es darf gelacht werden" die Bibel neu erzählt werden. Das haben beispielsweise Joachim Fernau, Gabriel Laub und Walter Laufenberg getan. Aus ihren Erzählperspektiven erscheint die Heilige Schrift nicht als frommes Erbauungsbuch, sondern eher wie eine Comedie Humaine mit viel Sex und Crime. Manches mag man in ihren Büchern für übertrieben halten. Aber soviel steht fest: Ohne Humor ist das Leben schwer zu ertragen und die Religion nur halb so viel wert.

Spätestens seit Ecos Rose wissen wir, worüber sich die Theologen im Mittelalter den Kopf zerbrachen, zum Beispiel über die Frage, ob Jesus gelacht hat. Die Diskussion kam damals zu keinem Ergebnis und heutzutage hat die Kirche andere Probleme. Zu lachen gibt es allerdings im kirchlichen Bereich noch recht wenig. Damit es anders wird, haben sich an verschiedenen Orten kirchliche Kabarettgruppen gebildet. Sie nennen sich "Das weißblaue Bäffchen", "Die Kreuztreter" oder "Die Schwestern und Brüder Gmbh" und treten auf Kirchentagen und in Gemeinden auf. In Köln gibt es seit einigen Jahren eine Gruppe, die sich "Klüngelbeutel" nennt und inzwischen eine Fan-Gemeinde um sich schart. "Fauler Zauber", so nennt sich ihre Revue. In der Wochenzeitung "Die Zeit" vom 26.November 1993 berichtete Martin Merz darüber: "Auch in der Kirche wächst der Bedarf an Satire", schrieb er, "christliches Kabarett übertrumpft das Kanzelwort - jedenfalls nach Zuhörerzahlen.

Tatsächlich ist nicht einzusehen, warum Humor, christliche Liebe und Güte einander ausschließen sollten. Das sagten sich vor einigen Jahren auch andere junge Leute auf dem Stuttgarter Kirchentag und gründeten christliche Kabaretts, die sich allesamt ausdrücklich als Sympathieträger Gottes und der Kirche verstehen. Und das gut so, denn "gegen die Kirche und das Christentum zu sein, bringt heute ungemein schnelle, hämisch schrille Lacher", sagte Hans Dieter Hüsch, der Kabarettist vom Niederrhein. Die christlichen Kabaretts jedoch weben mit subtilem Humor für die Kirche und ihre Botschaft. Der Erfolg hat ihnen Recht gegeben und bestärkt sie weiterhin. Denn im Frühjahr 2000 fand in Babenhausen sogar ein Kirchen-Kabarett-Festival statt - mit den "Klatschweibern"aus Dortmund,dem"Klerikalen-Kabarett-Kommando" aus Witten, den "Nebenwirkungen" aus Koblenz, dem "Kabarettungsdienst" aus Wuppertal, den "Avantgardinen" aus Nürnberg. Gastgeber war das "Erste Allgemeine Babenhäuser Pfarrer-Kabarett." Wer's nicht glaubt, schaue im Internet nach - unter"www.geocities.com/ pfarrerkabarett" wird er fündig.

Nicht nur Kabaretts, auch Comics mit biblischen Themen werden neuerdings mehr und mehr in den Dienst der christlichen Verkündigung gestellt. Mit Spaß und Humor sollen sie die kirchliche Öffentlichkeitsarbeit beleben und in heiterer Form skeptischen Zeitgenossen die biblische Botschaft erschließen. Comic-Bearbeitung der Bibel gab es erstmals Anfang der vierziger Jahre in den USA. In ihnen werden gezielt biblische Themen aufgegriffen. In Frankreich erschien 1977 eine Comic-Bibel, die ebenfalls biblisches Gedankengut in Comic-Form präsentiert, um den Comic-Leser für die Perspektive des von Gott geschaffenen Heils zu gewinnen. Viele Bereiche der kirchlichen Öffentlichkeitsarbeit könnten durch Comics durchaus eine Belebung erfahren. Spaß und Humor, die die wesentlichen Elemente von Comics sind, sollten auch mit der Kommunikationsarbeit der Kirche vereinbar sein.


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