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Hat Jesus gelacht?

Von einem lachenden Jesu wird im neuen Testament nicht berichtet, aber denkbar sei, meint nicht nur Kurt Marti, "dass Jesus, der so oft mit allen möglichen und unmöglichen Leuten zusammen getafelt und ihnen viele Liter Wein spendiert hat und von Zuschauern deswegen als Schlemmer und Zecher, als Kumpan der Zöllner und Sünder gescholten worden ist", auch herzlich gelacht und nicht griesgrämig irgendwo in einer Ecke gesessen habe. Auf jeden Fall gehört Lachen zum endzeitlichen Gastmahl messianischer Erfüllung. Würde man übrigens Jesus das Lachen absprechen, dann müsste man auch seinen jüdischen Urgrund leugnen, da, wie wir uns in Erinnerung gerufen haben, in der jüdischen Tradition das Lachen und Lächeln fest verankert sind.

Entscheidend ist freilich, dass Jesus denjenigen, die in einer Welt und unter Umständen leben müssen, wo es wenig zu lachen gibt, einen Grund zum Lachen gibt. "Wer einen Menschen zum Lachen bringt, tut ein gutes Werk", sagt ein koreanisches Sprichwort. Was waren Jesu Heilungen zudem anders als Wunder, die einzelnen Menschen, denen das Lachen vergangen war, das Lachen und der Frohsinn zurückgegeben haben? Jesus war sicher auf eine leidenschaftliche Weise frohgemut. Weil er das Leben liebte, hat er für das Leben agiert, gestritten, gelitten bis zum bitteren Ende. Otto Betz meint, dass die Wirkung von Jesus nur so zu erklären sei, "dass er Heiterkeit und Gelassenheit ausstrahlte, dass er nicht nur von Freude sprach, sondern Freude stiftete..Ich kann mir nur vorstellen, dass Jesu die Menschen auch angelacht hat, dass er sie mitriss in eine Atmosphäre des Vertrauens." Auch Dorothee Sölle weist in diese Richtung, wenn sie sagt:"Ich halte Jesus von Nazareth für den glücklichsten Menschen, der je gelebt hat."

"Und wo ist dies Lachen Gottes, das Lachen Jesu hingekommen?" fragt Marti ferner und antwortet: "Es lebt dort, wo Menschen im gemeinsamen Kampf, im gemeinsamen Leiden miteinander solidarisch geworden sind. Erstorben ist es in der Kirche überall da, wo eine Zuschauerposition abseits bezogen worden ist. Hier entsteht keine Solidarität, darum auch kein Lachen mehr." Schmerz und Lachen seien Zwillingskinder der Liebe Gottes. "Es gibt lachende Wahrheiten über Verhältnisse und Vorgänge", merkt Marti an, "die zum Heulen sind". Lachend holten wir gleichsam Luft, um im Elend besser standhalten zu können. Da dies jedoch nicht so leicht sei, sollten wir beten: "Gib uns heute unser tägliches Lachen." Er selbst habe festgestellt, dass er an einigen Tagen kein einziges Mal gelacht habe. Dies seien Tage, "die absolut unerleuchtet und gottfern sind."

Auch Peter Bloch, Gemeindepfarrer in Emmendingen und Verfasser des Buches "Der fröhliche Jesus", hat sich die Frage gestellt, ob Jesus Humor gehabt habe und fragt weiter: "Kann denn einer die "Frohe Botschaft" verkünden, der selbst nicht von Freude und Fröhlichkeit erfüllt ist? Dass wir Jesus so nicht kennen, liegt für Bloch daran, dass die Kirche häufig einem Jesusbild folgt, das weitgehend von menschlichen Zügen, zu denen auch der Humor gehört, "gereinigt" worden ist.


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