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Komponisten und Maler des Biedermeier

Auch mancher Komponist ist in seiner überragenden Bedeutung erst allmählich erkannt worden, wie etwa Franz Schubert(1797-1828). Er ist, schrieb Egon Friedell in seiner 'Kulturgeschichte der Neuzeit', "zeitlebens der Eichendorff'sche Taugenichts geblieben, der Hans vom Dorfe, der seine Freiheit gern mit Armut erkaufte. Doch seit er in die Menschheit getreten ist, weiß sie erst richtig, was ein Lied ist." Friedrich Dieckmann charakterisiert den Komponisten als letzten Klassiker und ersten Romantiker, der den Tempel geschlossen und zugleich Tore ins Neue geöffnet habe.

Johannes Brahms(7.5.1833-13.4.1897) hingegen war nicht nur ein genialer Musiker, er war auch ein Patriot, Monarchist und überzeugter Verfechter von militärischer Gewalt, wenn es um politische Entscheidungen ging. Im Alter wandte sich der Komponist der Philosophie von Schopenhauer zu und gewann durch sie die Überzeugung, dass die menschliche Existenz fragwürdig, wenn nicht gar sinnlos sei.

Die Beschaulichkeit des Biedermeier fand ihren Niederschlag nicht zuletzt auch in der Malerei, insbesondere in den gegenständlichen Schilderungen des intimen behaglichen und zum Teil rührseligen bürgerlichen Lebens bei Carl Spitzweg (1808-1885), Ferdinand Georg Waldmüller(1793-1865), Ludwig Richter(1803-1884) und in den Märchen- und Sagenbildern Moritz von Schwinds(1804-1871). Spitzweg, ursprünglich Apotheker, schuf Bilder, die die durch die Zeitläufte verunsicherten Bürger als wahre Labsal empfanden und die Nachkommen als Inbegriff der Idylle. Aber auch Spitzweg war ein kritischer Beobachter seiner Zeit. Die geruhsame Detailfreudigkeit seiner bürgerlichen Szenen hat eine durchaus karrikierende Bösartigkeit. Seine strickenden, gähnenden Wachsoldaten, die dümmlichen, selbstgefälligen Gesichter seiner Figuren, ihre Pedanterie, Betulichkeit und Genügsamkeit, das kleine Glück im Winkel, - das alles wirkt gewollt lächerlich und drückt die Entfremdung des Bürgers vom Ideal des Menschlichen aus. Spitzweg, der sich zu Jean Paul, hingezogen fühlte - anscheinend ahnte er eine verwandte Seele-, war wie viele andere Künstler ein Unangepaßter und alles andere als ein harmloser Kakteenfreund.

Ludwig Richter hat ebenfalls die bescheidene Welt der kleinen Leute, den Alltag, die Arbeit und die Freuden des Menschen von nebenan mit liebevoller Aufmerksamkeit gemalt, zugegeben, ohne Sozialkritik, aber mit wachem Sinn für die schlichten Realitäten des einfachen Lebens. Dem jungen Richter war die Tradition dieser Entwicklung, die man später "deutsche Misere" nannte, wohl bewußt. "Die Erwartungen des deutschen Volkes wurden von den Fürsten nicht erfüllt... Frost kam in die tausend herrlichen Knospen, sie fielen ab, und nun ist's vorbei", schreibt er 1825 in Rom. Gelegentlich betrachtet man ihn als den Ahnherrn von Oral history und den Geschichtswerkstätten von heute.

Selbst der so erfolgreiche Baumeister und Maler Karl Friedrich Schinkel(1781-1841)hat seine Epoche als belastend empfunden, und doch konnte er sich dem Druck der Restauration nicht entziehen. Was er ausdrückte, war nichts anderes als ein Kompromiß zwischen den Zielen der Macht und den künstlerischen Gegebenheiten, wobei er stets bestrebt war, die architektonische Tradition aufzubrechen und die Baukunst aus dem Bannkreis einer dem Absolutismus verpflichteten Herrschaft hinauszuführen.


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